Havarie im Januar: Sturm oder Kollision?

Die Justiz untersucht derzeit, ob die Havarie eines belgischen Fischerbootes, die Z-85 Morgenstern (Arhivfoto), Ende Januar vom seinerzeit schweren Sturm verursacht wurde oder ob das Schiff von einem Hochseetanker angefahren wurde. In einer anonymen Email ist die Rede von einem Zusammenstoß. Eine entsprechende Meldung der Tageszeitung Het Laaste Nieuws wurde von der Staatsanwaltschaft gegenüber der VRT bestätigt.

Am 28. Januar ist die Morgenstern im Ärmelkanal in schwerem Sturm gesunken. Dabei kamen vier Seeleute ums Leben, darunter ein Belgier. Das Wrack liegt noch immer in 35 m Tiefe auf dem Meeresboden und wahrscheinlich ist dort auch noch die bisher nicht entdeckte Leiche eines portugiesischen Seemanns.

Seit der Havarie wird die Ursache noch erforscht. Doch jetzt haben die Ermittlungen eine neue Wendung erfahren. In einer anonymen Email heißt es, dass die Z-85 Morgenstern nicht aufgrund des damals herrschenden Sturms gesunken sei, sondern nach einem Zusammenstoß mit dem Tanker MV Marselisborg, ein 130 m langes Frachtschiff einer deutschen Reederei. Dieses Schiff befand sich zur Zeit laut Radaraufzeichnungen in unmittelbarer Nähe des belgischen Fischerbootes, als dieses sank.

Der Verfasser der Email, der sich selbst „Der Pirat“ nennt, scheint sich mit der Materie auszukennen. Er wusste zu vermelden, dass sich die MV Marselisborg kurze Zeit später für die Dauer von drei Tagen in einer britischen Schiffswerft aufgehalten haben soll, wo Schäden ausgebessert worden seien. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft von Brügge nimmt die Email sehr ernst. Der deutsche Eigner des Tankschiffs jedoch will nichts mit dem Vorfall zu tun haben. Das die MV Marselisborg danach drei Tage lang in einer Werft vor Anker lag, sei purer Zufall.

Nach Ansicht von Seeleuten ist ein Zusammenstoß zwischen zwei Schiffen auf hoher See auf stürmischer See selten, aber nicht auszuschließen. Matrosen müssten allerdings selbst bzw. auf ihrem Radar erkennen, ob sich ein anderes Schiff dem eigenen gefährlich nähert. Es könnte demnach sein, dass der Steuermann des einen oder des anderen Schiffes zur Zeit der Havarie unaufmerksam gewesen ist.