“Überlassen Italien und Malta Drecksarbeit”

Der Europaparlamentarier Ivo Belet, ein flämische Christdemokrat, bestätigt, dass die Europäische Union zu wenig unternimmt, um die Bootflüchtlinge im Mittelmeer zu retten und aufzunehmen. Das erklärte er an Sonntagmittag in der VRT-Talkshow „De Zevende Dag“ (dt.: Der siebte Tag). Belet kündigte eine Initiative der Europäischen Volkspartei, der größten Fraktion im EP, an.

„Das Mittelmeer entwickelt sich zu einem Massengrab und wir schauen einfach weg“, so Ivo Belet (CD&V). „Wir überlassen Italien und Malta die Drecksarbeit. Wir sind gescheitert und tun zu wenig.“

Vergangenes Jahr übernahm Frontex, die Europäische Agentur zur Bewachung der EU-Außengrenzen, von Italien den Auftrag, um im südlichen Mittelmeer zu patrouillieren. Die italienische Operation „Mare nostrum“ kostete Rom sehr viel Geld, aber Frontex investiert drei Mal weniger in die jetzige Operation im Mittelmeer.

Belet stellt fest, dass sei ein Fehler gewesen und er kündigt eine Initiative der europäischen Christdemokraten (EVP – Europäische Volkspartei) an. „Wir müssen sofort eingreifen und unsere Anstrengungen erhöhen. Am Freitag trifft sich unsere Fraktion in Mailand.“ Die EVP ist die größte Fraktion im Europaparlament.

„Wir müssen Italien und Malta helfen und die Suchaktionen finanziell unterstützen“, so Belet. „Gleichzeitig sind Maßnahmen an den Küsten Nordafrikas notwendig.“ Belet denkt unter anderem an Asylbüros in Nordafrika, die vor Ort Asylanträge prüfen und das bevor Flüchtlinge mit seeuntauglichen Boten die illegale Überfahrt nach Europa riskieren.

„Was jetzt schon wieder passiert ist, war absolut vorhersehbar“, meint Bogdan Vanden Berghe von der Hilfsorganisation 11.11.11. Er plädiert für nachhaltige Hilfsanstrengungen.

Die Europaparlamentarierin Helga Stevens von den flämischen Nationalisten (N-VA) findet ebenfalls, Europa sei jetzt gefordert: „Wir müssen Menschen retten, aber gleichzeitig verhindernd, dass wir noch mehr Flüchtlinge motivieren, dieses Risiko zu nehmen.“ Stevens findet, reiche Länder wie Katar oder die Arabischen Emirate müssten auch mehr tun, um zum Beispiel Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen.