EU-Sondergipfel zur Migrationspolitik am Donnerstag

Nach der bisher wohl schwersten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer verlangt Premier Charles Michel (kleines Foto), dass Ende dieser Woche ein Sondergipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs über Migrationspolitik in Brüssel einberufen werde. Er hat mit dem ständigen EU-Ratspräsidenten Donald Tusk hierüber gesprochen. Inzwischen ist bekannt, dass in der Tat ein EU-Gipfel am Donnerstag stattfinden soll.
imago/Xinhua

Ein Gipfel sei nötig, der ausschließlich der Asyl- und Migrationspolitik gewidmet sei, aber auch vor allem der Tragödie, die sich in den letzten Wochen auf dem Mittelmeer abspielte, heißt es im Kabinett des Premiers.

"Wir können nicht einfach zuschauen, während sich so eine Tragödie vor unseren Augen abspielt. Wir müssen schnell und entschieden handeln", ließ Premier Michel über seinen Sprecher wissen.

Am heutigen Montag haben sich die EU-Außen- und Innenminister über ihre Flüchtlingspolitik in Luxemburg beraten.

Inzwischen ist in der Tat auch ein Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs für kommenden Donnerstag angesetzt worden. Laut Tusk komme dieser Gipfel auf Bitten Italiens, aber auch andere Länder wie Belgien hatten diesen noch für Ende der Woche gefordert.

In der Nacht zum Sonntag ist rund 110 Kilometer vor der Küste Libyens ein Flüchtlingsschiff gekentert. Es wird inzwischen angenommen, dass sich etwa 950 Flüchtlinge an Bord des Schiffes befanden. Offiziell sind bislang 24 Leichen geborgen worden.

Einem Überlebenden zufolge, einem Mann aus Bangladesch, sollen zum Zeitpunkt des Kenterns rund 300 Flüchtlinge in einem Raum des Fischerbootes eingeschlossen gewesen sein. Seinen Schilderungen zufolge, sollen auf dem Boot rund 950 Flüchtlinge gewesen sein, darunter sicher 200 Frauen und ein Dutzend Kinder.

Der Zeuge wurde auf die italienische Insel Sizilien gebracht. Die anderen Überlebenden und die ersten geborgenen Leichen sollen laut VRT-Kollegin Katrien Vanderschoot mit einem Schiff der italienischen Küstenwache nach Malta gebracht worden sein. Vanderschoot sagte am Montagmorgen, sie habe das Schiff der Küstenwache in den Hafen von Valletta einfahren sehen.

Und während sich die EU-Außen- und Innenminister an diesem Montag in Luxemburg über ihre Migrationspolitik berieten, traf die Meldung ein, dass ein weiteres Boot mit 300 Flüchtlingen an Bord vor der griechischen Küste von Rhodos am Sinken sei.

Nicolas Maeterlinck