War Opa von Politikerin Onkelinx Nazi- Kollaborateur?

War der Opa der Vorsitzenden der Gruppe der französischsprachigen Sozialisten im Parlament, Laurette Onkelinx (kleines Foto), ein Mitglied der rechtsradikalen flämisch-nationalen Partei VNV (Vlaamsch Nationaal Verbond) und warum war er so schnell rehabilitiert? Dieser Frage sind mehrere Journalisten unseres Hauses nachgegangen. Maurice war immerhin auch Politiker.

Weder sein Sohn noch seine Enkelin, die PS-Politikerin Laurette Onkelinx, waren offenbar im Bilde. War Maurice, der Großvater von Laurette, Nazi-Kollaborateur während des Krieges?

Die Recherchen der Redaktion von "Terzake" ergaben, dass Maurice Onkelinx zwischen 1943 und 1944 nicht nur Bürgermeister von Jeuk, einer kleinen Gemeinde von Limburg war, sondern dass ihn die Nazis schon 1941 zum Stadtbeirat machten.

Bei der Befreiung des Landes wurde er verhaftet und verbrachte einige Monate im Gefängnis. Er wurde wegen seiner Mitgliedschaft in der VNV verurteilt. Die VNV kollaborierte mit den deutschen Besatzungstruppen.

1950 wurde der Opa von Laurette Onkelinx jedoch vollständig rehabilitiert. Das sind die Fakten.

Der politische Kontext ist jedoch heikler, denn viele erinnern sich noch der heftigen verbalen Angriffe der PS- Politikerin Onkelinx im Oktober letzten Jahres auf einige N-VA-Kollegen wegen deren Nähe zur rechten Szene. Die Politikerin kritisierte vor allem Jan Jambon (Innenminister) und Théo Francken (Staatssekretär für Asyl und Einwanderung) sehr scharf. Beide sind Mitglieder der N-VA, die die Mehrheit im Parlament hält.

Ersterer hatte kurz vor Onkelinx Äußerungen im Parlament  behauptet, dass die Kollaborateure, schon ihre Gründe gehabt hätten, um mit dem Besatzer gemeinsame Sache zu machen und Francken hatte an einer Geburtstagsfeier eines offenkundigen Kollaborateurs und Anführers einer nationalistischen Privatmiliz teilgenommen.

Laurette Onkelinx sagte damals, sie höre schon den Schall der Stiefel in der Regierung Belgiens.

Nun hat ihr Großvater zwei offizielle Ämter - als Stadtbeirat und Bürgermeister - zu Zeiten der Besatzungsmacht inne gehabt. Stellt sich die Frage, ob ihn das auch gleich zum Kollaborateur macht? Hierüber gehen die Meinungen in Belgien auseinander. Historiker relativieren das Ganze: Nichts weise auf dessen Kollaboration hin, heißt es. "Terzake" läßt zum Beispiel den Bruder von Bart De Wever, Bruno, zu Wort kommen, ein Historiker, der betont, dass sich die Bürgermeister wohl kaum der Interessen der Deutschen hätten entgegenstellen können. Man könne Maurice aso eher keine politische Kollaboration vorwerfen.

Man müsse sich jedoch fragen, warum man annahm, dass er Mitglied der VNV war, aber auch warum er schon fünf Jahre später vollständig rehabilitiert wurde.

Ungelöste Fragen bleiben also. Der Vater von Laurette Onkelinx sagt, er habe nichts von einer Kollaboration gewusst und auch nichts davon, dass sein Vater, also der Opa von Laurette, im Gefängnis gesessen habe. Für Onkelinx sei die Information jedenfalls unangenehm, meint Bruno De Wever noch.

Die Zeitung Het Nieuwsblad hebt hierzu hervor: Es gebe Indizien und Gegenindizien. Niemand könne für die falschen Entscheidungen seiner Vorfahren verantwortlich gemacht werden. Wer also hoffe, dass Onkelinx künftig im Parlament schweigt, liege falsch.

Trotzdem sollte Laurette Onkelinx künfitg lieber vorsichtig sein, wenn sie vorwurfsvoll mit dem Finger auf andere zeige und pauschale Kollaborationsvorwürfe gegen Personen erhebe, urteilt das flämische Blatt noch.