Alle Welt spricht vom Bahnstreik in Deutschland, aber was macht Belgiens Bahn?

Die belgische Bahn NMBS wird untersuchen, ob ihr Personal hart genug arbeitet. Die Bahngesellschaft führt eine vergleichende Studie mit anderen europäischen Bahngesellschaften durch.

Regelmäßig werden Studien veröffentlicht, in denen das Funktionieren der NMBS mit den Bahngesellschaften anderer Länder verglichen wird.

Wenn man jedoch keine ausreichenden Details kennt, kommt das einem Vergleich von Äpfeln mit Birnen nahe, betont der Bahnchef Jo Cornu. Deshalb will er jetzt die Meinungen aus der Debatte filtern und objektive Zahlen vorlegen, die von niemandem mehr bezweifelt werden können.

Tatsächlich werden schnell Stimmen laut, um die Missstände bei der Bahn zu kritisieren. So zitiert die Zeitung De Tijd an diesem Samstag eine Quelle, die betont, dass ein Großteil des Bahnpersonals bis zu 80 Arbeitstage im Jahr zu Hause bleibe. Das sei für jedes Unternehmen unhaltbar, so die Zeitung. 

Immer wieder werde die Produktivität der Bahn als größter wunder Punkt des Unternehmens genannt, heißt es weiter. Die Kosten pro Fahrgast lägen 40 bis 50 Prozent höher als im Ausland, geht aus einer internen Statistik hervor. Die NMBS untersucht und misst deshalb jetzt zum ersten Mal ihre Leistung gegenüber anderen europäischen Bahnunternehmen.

Zunächst wird geschaut, wie produktiv die Mitarbeiter sind. Jede Kategorie, vom Maschinisten bis hin zum Lokführer, wird separat gemessen. Die große Frage ist: Wird bei der belgischen Bahn hart genug gearbeitet? Auch die Tarife, die Zahl der Fahrgäste pro Kilometer, die Verfügbarkeit und das rollende Material werden verglichen.

Der NMBS-Chef, Jo Cornu, hat lange auf solch eine Studie gedrängt. Im Privatsektor ist benchmarking normal, aber bei der NMBS herrscht eine andere Unternehmenskultur. Cornu will das Unternehmen in die Zukunft steuern. Veränderungen sind deshalb nötig. So herrscht bei der NMBS ein hierarchisches Arbeiten, das man in keinem modernen Unternehmen mehr hat. Es gebe keine einzige Stimulanz, bei der sich der Lohn nach der getanen Arbeit richtet, zitiert De Tijd einen Insider. Der Mangel an Effizienz sei vor allem auf die festen "Personalsatzungen" zurückzuführen, an denen nicht gerüttelt werden könne.

Die Studie soll übrigens im Juni fertig sein.

Doch schon jetzt melden sich Gewerkschaften zu Wort. Jean-Pierre Goossens von der sozialistischen Gewerkschaft betonte im VRT-Radio zum Vorwurf, dass ein Großteil des Bahnpersonals bis zu 80 Arbeitstage im Jahr zu Hause bleibe: "Man weiß doch, dass die NMBS derzeit knapp 700.000 überfällige Ausgleichstage zählt. Dass sie dann kommen und untersuchen, ob die Menschen hart genug arbeiten, finde ich ein bisschen voreilig."

Bahnchef Jo Cornu hofft, dass er mit dem Ergebnis der Studie sagen kann: "OK, das ist die Realität und was wollen wir erreichen?"

Er hofft, die unzähligen sich gegenseitig blockierenden Interessen zu neutralisieren und mehr bewegen zu können als ein Herummurksen am Rande.