Erdogan, ein Superstar in Belgien

In der Ethias-Arena in Hasselt haben sich mehr als 10.000 Türken am gestrigen Sonntagabend eine Rede des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan (kleines Archivfoto im Text) angehört. Der Präsident appellierte an die belgischen, niederländischen und deutschen Türken, an den türkischen Parlamentswahlen im Juni teilzunehmen.

Knapp zwei Stunden musste das Publikum auf den ehemaligen Regierungschef und heutigen Präsidenten der Türkei warten. Doch der wahnsinnig beliebte Erdogan kann sich nun einmal auf ein treues und außergewöhllich leidenschaftliches Publikum verlassen. Zuvor waren bereits so viele Eintrittskarten ausgegeben worden, dass einige Personen sogar auf dem Parkplatz warten mussten.

Wie ein echter Popstar kam Erdogan seine mehrere tausend Anhänger im Ausland besuchen.

Am 7. Juni sind Parlamentswahlen in der Türkei. Offiziell war Erdogan nicht zur Wahlkampagne hier, dennoch handelte seine Rede ausschließlich von den bevorstehenden Wahlen.

Er rief die wahlberechtigten Türken dazu auf, auf jeden Fall ihre Stimme abzugeben, hielt sich aber damit zurück, die Menschen explizit dazu aufzuforden, für seine Partei, die AKP, zu stimmen.

In seiner Rede, die mehr als eine Stunde dauerte, blickte er zunächst auf die Verwirklichungen der heutigen Regierung zurück. Er findet, dass das heutige Ministerteam gute Arbeit leiste und sagte, dass die Menschen daran denken sollten, wenn sie wählen gingen.

Auch über künftige Projekte, wie der Bau des größten Flughafens von Europa in Istanbul, vergaß er nicht, zu sprechen. Er schaffte es dabei, nicht ein einziges Mal den Namen der AKP zu erwähnen, also die Partei, die er einst selbst gegründet hat.

Für die Türken in Europa hatte Erdogan einige deutliche Botschaften parat. Er wies sie darauf hin, dass es wichtig sei, die lokale Sprache zu erlernen und sich anzupassen. Darüber sollten sie ihre Muttersprache und ihre eigene Kultur aber auch nicht vergessen, so Erdogan.

Der Präsident konnte das Publikum eindeutig für sich begeistern. Ein minutenlanger Beifall folgte. Viele warteten auf ihn auch vor den Türen, um ihn gebührend wieder zu verabschieden.

Nach der Rede gab es also fast ausschließlich positive Reaktionen, teilweise sogar von sehr jungen Anhängern. Er habe über die Türkei gesprochen, über eine neue Türkei und was sich dort alles verändern werde, so ein junger Anhänger aus dem Publikum gegenüber dem VRT-Radio und eine andere Person sagte: "Es wird das erste Mal sein, dass wir wählen gehen."

Die belgischen Türken haben hierfür noch Zeit bis zum 31. Mai.