Alexandre Lamfalussy: Der "Vater des Euro" ist tot

Der aus Ungarn stammende belgische Volkswirt Alexandre Lamfalussy ist, wie jetzt bekannt wurde, am Samstag im Alter von 86 Jahren verstorben. Lamfalussy (Archivfoto 2009) gilt als einer der Architekten der EU-Einheitswährung Euro. Auf nationaler und internationaler Ebene genoss er hohes Ansehen und tat sich auch als Ratgeber in allerlei Finanzgremien hervor.

Der Belgier Alexandre Lamfalussy starb am Samstag im Alter von 86 Jahren, wie seine Familie am Montag mitteilte. Lamfalussy wurde als Lamfalussy Sandor in Ungarn geboren, wanderte jedoch 1949 in den freien Westen aus. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Katholischen Universität von Löwen (LUL) und in Oxford und leitete von 1994 bis 1997 in Frankfurt das Europäische Währungsinstitut (EMI), den Vorläufer der Europäischen Zentralbank (RZB).

Dabei leistete er wichtige Vorarbeiten für die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung, den Euro. Davor war er jahrelang in Basel Direktor der Bank für Internationale Zahlungen (BIS). Nach Alexandre Lamfalussy ist auch ein Verfahren benannt, mit dem der Gesetzgebungsprozess in der EU beschleunigt wird. In den 2000er Jahren beriefen sich sowohl die belgische Bundesregierung, als auch die EU auf Lamfalussy als Ratgeber.

Im Jahr 2008, in voller Banken- und Finanzkrise, leitete der international angesehene Volkswirt im Auftrag der belgischen Regierung das Hohe Komitee für eine neue Finanzarchitektur, kurz das Lamfalussy-Komitee, dass die Finanzsysteme in unserem Land verbessern und gegen internationale Krisen besser zu wappnen. Lamfalussy wurde für seine Verdienste von belgischen Königshaus geadelt und trug den Titel eines Barons.