Der flämische Autor Jef Geeraerts ist tot

Jef Geeraets gilt in seiner flämischen Heimat als einer der wichtigsten Autoren der Nachkriegszeit. Der Autor ist jetzt im Alter von 85 Jahren gestorben. Bekannt wurde Geeraerts mit seiner umstrittenen „Gangreen“-Trilogie, einer tabulosen Abrechnung mit der belgischen Kolonialzeit und der eigenen Familie des Autoren. Mit der Verfilmung zweier seiner Krimis wurde Geeraerts auch einem deutschsprachigen Publikum bekannt.

Jef Geeraerts zog es nach einer ersten gescheiterten Ehe in die belgische Kolonie Kongo, wo er sich offenbar stets als Kolonialherr aufführte. In seiner zwar als Referenzwerk geltenden aber sehr umstrittenen „Gangreen“-Trilogie scheute er kaum ein Tabu. Gewalt- und Sexexzesse wurden sehr detailgetreu geschildert und im letzten Werk des Zyklus rechnete er ähnlich zügellos mit seiner eigenen Familie ab.

Am Ende der Kolonialzeit kam Jef Geeraets wieder zurück nach Belgien und ließ sich zuletzt in Drongen bei Gent nieder. Für viele seiner Schriftstellerkollegen war Geeraerts trotz oder sogar wegen seiner schonungslosen Sprache und Inhalte ein Vorbild. Für Herman Brusselmans war und ist Geeraerts einmalig: „Er hatte den Mut, sich völlig zu öffnen. Das und sein Stil waren einmalig. Er schrieb wirklich mit einem Beat. Sein Gangreen-Zyklus ist echter Rock & Roll.“

Sein Freund, der flämische Autor Erwin Mortier, hat ihn kurz vor seinem Tod noch getroffen: „In letzter Zeit war er sehr schwermütig. Das war auch der Tenor unseres letzten Gesprächs. Er stellte die Frage, warum er weiterleben sollte. Er hatte doch schon alles erlebt. Das war voller Wehmut.“ Jef Geeraerts starb am Montag an einem Herzanfall bei einer Routineuntersuchung in einem Krankenhaus.

Krimiverfilmungen auch in Deutschland gezeigt

Der Name Jef Geeraerts ist einem deutschen Publikum nicht wirklich geläufig, doch zwei seiner Bücher wurden verfilmt und auch in Deutschland beim ZDF gezeigt. Dabei handelte es sich um zwei Kriminalromane um das flämische Ermittlerduo Eric Vincke und Freddy Verstuyft, die der belgische Regisseur Erik Van Looy adaptierte: „Mörder ohne Erinnerung - The Case Alzheimer“ und „Das Recht auf Rache - Ungesühnt“.

In den Hauptrollen lernte ein internationales Publikum die beiden charismatischen flämischen Schauspieler Koen De Bauw (als Kommissar Vincke) und Werner de Smet (als Kommissar Verstuyft) kennen. In beiden Filmen geht es u.a. um die Verflechtung des organisierten Verbrechens und der Polizei.