Die Laufzeit von Doel 1 und 2 wird verlängert

Der Ausschuss für Wirtschaftsfragen der ersten Kammer des belgischen Bundesparlaments hat am Dienstagabend einem Gesetzesvorschlag zugestimmt, nach dem die Laufzeit der beiden Kernreaktoren Doel 1 und 2 im gleichnamigen Atomkraftwerk bei Antwerpen (Foto) verlängert werden kann.

Die Zustimmung erfolgte mit den Stimmen der Mehrheit. Die beiden Reaktoren, die mittlerweile 40 Jahre alt sind, könnten damit bis 2025 am Netz bleiben. Normalerweise wären diese Reaktoren noch dieses Jahr angeschaltet worden. Die Parteien der Mitte-Rechts-Regierung in Belgien sind der Ansicht, dass derzeit die Alternativen zur Kernenergie fehlen, wie Bert Wollants von den flämischen Nationaldemokraten gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion angab:

„Wir sind im vergangenen Winter so gerade noch durchgekommen und alleine dieses Jahr werden noch Kraftwerke mit einer Leistung von 1.600 Megawatt stillgelegt. Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Haushalte und die Unternehmen auf die notwendige Energieversorgung verlassen können, sprich, dass das Licht an bleibt. Wir haben diese Kraftwerke echt nötig, wie aus den Anhörungen ersichtlich war. Darum müssen wir mit ihnen weitermachen.“

Nach Ansicht der Opposition ist nicht wirklich nach Alternativen für die Kernenergie gesucht worden. Johan Vande Lanotte (SP.A), flämischer Sozialist, Bundesabgeordneter und ehemaliger Wirtschaftsminister, glaubt zu wissen, warum der Wirtschaftsausschuss der Laufzeitverlängerung der 40 Jahre alten Meiler in Doel zugestimmt hat:

„Angeblich ist die so genannte Versorgungssicherheit nicht gegeben. Die Anhörungen haben deutlich gemacht, dass es andere Lösungen gibt, doch man verfolgt lediglich zwei Wege: Die alles dominierende Kernenergie wird in Belgien stärker statt geringer, während andere Kraftwerke geschlossen werden. Das bedeutet, dass man auf Ebene der Energieproduktion ein Monopol verstärkt.“

Zweite Lesung

Auf Drängen der Opposition wird der Gesetzesvorschlag in zweiter Lesung noch einmal unter die Lupe genommen und zudem muss das vollzählige Bundesparlament dem Entwurf ebenso zustimmen.

Defekte Meiler bleiben länger abgeschaltet

Die beiden Kernreaktoren Doel 3 und Tihange 2 bleiben doch länger abgeschaltet, als Kraftwerksbetreiber Electrabel erhofft hatte. Eigentlich sollten diese Meiler, deren stählerne Reaktorummantelung durch unzählige Haarrisse angegriffen sind, am 1. Juli dieses Jahres wieder hochgefahren werden.

Doch nach weiteren Untersuchungen bleiben sie bis mindestens zum 1. November 2015 abgeschaltet. Die Resultate der letzten noch laufenden Sicherheitsuntersuchungen müssen noch vom staatlichen Kontrollorgan für Nuklearangelegenheiten, FANC, begutachtet werden.