Child Focus warnt vor grooming

Child Focus, die Stiftung für vermisste und sexuell misshandelte Kinder warnt in ihrem an diesem Montag veröffentlichten Jahresbericht vor dem so genannten Internet grooming, also der Kontaktaufnahme von Erwachsenen mit sexuellen Absichten über das Internet mit Minderjährigen. Die Opfer sind zumeist Mädchen im Alter von 12 oder 13 Jahren. Die Täter sind erwachsene Männer. Grooming ist seit April 2014 strafbar hierzulande.

Die Stiftung Child Focus weist in ihrem Jahresbericht auf die starke Zunahme von Online grooming hin. 2014 habe man 97 Fälle bei Child Focus registriert, bei denen es möglicherweise um sexuellen Missbrauch von Kindern über Informations- und Kommunikationstechnologie gegangen sei. Im Vergleich dazu habe man 2013 weniger als die Hälfte, 44 Fälle, gezählt. In diesem Zusammenhang sei wiederum die starke Zunahme der Zahl von Online groomings aufgefallen, heißt es in dem Bericht weiter.

Beim Online grooming wird ein(e) Minderjährige(r) von einer erwachsenen Person mit sexuellen Absichten aufgesucht. Oft ist dieser erfolgreich und die Minderjährige geht zum Beispiel auf ein Rendez-Vous oder den Austausch von Nacktfotos oder -videos ein.

2014 habe es 43 solcher Fälle, von denen Child Focus unterrichtet wurde, gegeben. "Die meisten Opfer sind zwischen 11 und 15 Jahre jung. In einem Fall war das Opfer 7 Jahre."

Auffallend sei auch noch, dass in mehr als der Hälfte der Fälle der Kontak über Facebook erfolgte.

Grooming ist strafbar

Es seien vor allem beunruhigte Eltern, die die Stiftung kontaktierten, weil ihr Teenager über Facebook oder ein Chatforum von einem Erwachsenen mit unseriösen Absichten aufgesucht worden sei.

Yasmin Van Damme von Child Focus betonte hierzu im VRT-Fernsehen:"Wir hatten einen Fall, bei dem war ein 13-Jähriger, der wegen eines Computerproblems in einem Forum Hilfe suchte, im Forum von einer Person kontaktiert worden. Die Person gab vor, das Problem des Jungen lösen zu wollen, indem er ihm einen neuen Computer versprach. Das ganze endete damit, dass er den Jungen bat, ihm Nacktfotos von sich zu schicken."

"Grooming an sich ist strafbar", unterstrich die Direktorin von Child Focus, Heidi De Pauw (kleines Foto), noch einmal am Montag im VRT-Fernsehen. Man brauche jedoch noch einige Jahre, um zu erkennen, wie groß der tatsächliche Umfang von Grooming eigentlich sei, so die Direktorin von Child Focus auch noch.

"Was Du nicht willst, das man Dir tut,..."

Da junge Leute oft gar nicht erkennen, dass sie gegroomt werden, hat Child Focus nun beschlossen, sich direkt mit einem Infofaltblatt an die Teenager zu richten.

"Wir können den jungen Leuten zum Beispiel beibringen, wie man sein Profil schützt. Und ein Tipp für das Foto ist zum Beispiel: Wenn Du ein Foto von Dir hast, das Du sicher nicht auf den Nachttisch von Oma stellen würdest, dann poste es bitte auch nicht ins Internet!", lautet Heidi De Pauws Appell an alle Internetnutzer.

Man sollte den Kindern lernen, darüber nachzudenken, was sie ins Internet stellen wollen und was nicht.

Jeder sollte überdies möglichst nach dem Motto handeln: "Was Du nicht willst das man Dir tut, das füg' auch keinem anderen zu!"