Premier Michel in Flandern populärer als in Wallonien

Aus einer Umfrage der frankophonen Medien La Libre Belgique und RTBF ist ersichtlich, dass Preminister Charles Michel (Foto) von den frankophonen Liberalen MR in Flandern mehr Vertrauen genießt, als in der Wallonie. Allerdings wird dem Regierungschef nirgendwo wirklich eine ausgeprägte Führungsfähigkeit attestiert.

Die Tageszeitung La Libre Belgique und unsere Kollegen von öffentlich-rechtlichen Rundfunk RTBF haben in der vergangenen Woche bei 2.833 belgischen Wahlberechtigten nachgefragt, was sie von Premier Michel halten.

Dabei kam heraus, dass 72 % der befragten Flamen mit ihm durchaus etwas anfangen können. In Wallonien hingegen findet der frankophone Liberale nur 44 % Zustimmung. In der Region Brüssel-Hauptstadt findet Charles Michel Zustimmung bei knapp 50 % der Befragten.

Auf seine Tatkraft angesprochen, antworteten die Wahlberechtigten etwas nuancierter: 65 % der Flamen sind der Ansicht, dass er fähig genug ist, und 48 % der Wallonen, bzw. 54 % der Brüsseler sehen das so. Einen echten Premier, der die Zügel in Händen hält, sehen nur wenige in ihm: 38 % der Flamen, 28 % der Brüsseler und nur 22 % der Wallonen. Damit scheint Charles Michel nicht wirklich als durchsetzungsfähige Führungsperson angesehen zu werden.

Die Sonntagsfrage von La Libre Belgique und der RTBF bestätigt die Trends in der Wählergunst, die schon frühere Frühjahrsumfragen angedeutet haben: Die flämischen Nationaldemokraten N-VA und die frankophonen Sozialisten PS lassen Federn, die frankophonen Liberalen MR halten in etwa ihren Status Quo und die linksradikale PTB steigt in der Wählergunst.

Die Opposition legt zu

Die N-VA von Parteichef und Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever kommt bei dieser Umfrage auf 28 % und verliert damit 4 % in der Wählergunst im Vergleich zur letzten Parlamentswahl in Belgien. Die PS verliert 2 % und sackt ganz knapp unter die 30 %-Marke.

Die liberale MR bleibt hingegen in etwa stabil und rückt durch die Verluste der PS deutlich zu den Erzrivalen im Kampf, wer denn im frankophonen Spektrum die stärkste Kraft ist, auf. Die Christdemokraten schaffen weder in Flandern (CD&V), noch in Wallonien (CDH) den Umkehrschwung und lassen weiter Federn.

In Flandern legen nur die Oppositionsparteien SP.A (Sozialisten), Groen (Grüne) und Vlaams Belang (Rechtsradikale) zu, während die liberale Open VLD stabil bleibt. Im frankophonen Spektrum verbucht die grüne Ecolo leichte Gewinne, wird aber von der kommunistischen PTB überholt. Diese staubt offenbar Stimmen bei der sozialistischen PS ab, legt 3,5 % zu und landet jetzt bei 9 %.

In der Region Brüssel-Hauptstadt werden die frankophonen Liberalen MR die stärkste Kraft. Sie überholen die sozialistische Partei PS, die hier sowohl den Ministerpräsidenten, als auch den Bürgermeister stellen.