Deutsche Grüne stellen FANC-Chef Bens in Frage

Die Grünen im deutschen Bundestag fordern den Rücktritt des Leiters der belgischen Atom-Kontrollbehörde FANC, Jan Bens. Bens (Foto), der auch in Belgien im Kreuzfeuer der Kritik steht, hatte in einem Pressegespräch erzählt, dass er während seiner Tätigkeit für die belgische Industrie-Holding Tractebel in Kasachstan mit Schmiergeldern zu tun hatte. Politisch steht die Glaubwürdigkeit von Jan Bens zur Debatte.

Jan Bens, der Leiter der belgischen Bundesagentur für Nuklearkontrolle (FANC), ist auch für die deutschen Grünen in diesem Amt untragbar geworden. Oliver Krischer, Bundestagsabgeordneter und energiepolitischer Sprecher der deutschen Grünen, sagte gegenüber den Aachener Nachrichten, dass ein solcher Mensch für jede öffentliche Aufgabe ungeeignet sei: „Erst recht als Verantwortlicher für die Sicherheit von Atomkraftwerken.“

In Deutschland im Allgemeinen und in Nordrhein-Westfahlen im Besonderen beobachtet man die Atompolitik in Belgien mit Argusaugen, nicht zuletzt wegen der umstrittenen Atommeiler Tihange 2 bei Lüttich und Doel 3 bei Antwerpen, deren stählerne Ummantelungen von tausenden Haarrissen durchzogen sind. Nicht zuletzt beobachtet man im grenznahen NRW auch die Laufzeitverlängerung von Belgiens ältesten Meilern Doel 1 und Doel 2 mit Sorge.

Dass nun der Leiter der föderalen belgischen Atomkontrollbehörde in einem Interview mit einer Tageszeitung, dem frankophonen Brüsseler Blatt Le Soir, eher beiläufig erklärt, bei einer früheren Tätigkeit in Kasachstan mit Korruption zu tun gehabt zu haben und in mindestens einem Fall, wie er danach zugab, auch Schmiergeld gezahlt habe, bringt die Atomgegner in Deutschland erst recht auf die Barrikaden.

Glaubwürdigkeit

Mittlerweile steht das Amt von Jan Bens in Belgien zur Disposition. Sowohl in der Opposition, als auch in der Mehrheit der belgischen Mitte-Rechts-Regierung werden Stimmen laut, ihn zu ersetzen. Belgiens Innenminister Jan Jambon (N-VA) sagte dazu am Donnerstag im Parlament, dass die FANC von ihrer Glaubwürdigkeit lebe, was auch für deren Leiter, Jan Bens, gelte.

Jan Bens musste sich am Freitag dem Verwaltungsrat der Atomaufsichtsbehörde in der Kasachstan-Frage stellen, doch die FANC hält weiter an ihrem Direktor fest.