"Die Bahn kann mit 1.300 Leuten weniger arbeiten"

In einer vergleichenden Studie im Auftrag von Bahnchef Jo Cornu durch das Benchmark-Büro McKinsey wird ein Personalabbau bei den Lokführern und den Zugschaffnern empfohlen. Nach Ansicht von McKinsey arbeitet die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB im Vergleich mit anderen europäischen Eisenbahngesellschaften zu wenig effizient und zu personalintensiv.

Das Benchmark-Büro McKinsey verglich die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB mit den Bahnen in den Niederlanden (NS), in der Schweiz (SBB), in Dänemark (DSB) und in Österreich (OBB) und fand dabei heraus, dass man - wenn man von den Eigenheiten der einzelnen verglichenen Gesellschaften einmal absieht - in Belgien mit einem Fünftel weniger Lokführer und einem Viertel weniger Zugschaffner auskommen könnte. Das beträfe rund 700 Lokführer und etwa 600 Schaffner. Derzeit beschäftigt die belgische Bahn einen Personalbestand von 3.000 Vollzeit-Lokführern und von 2.500 ganztagsbeschäftigten Schaffnern.

Aber, diese Zahlen und auch das Ergebnis der McKinsey-Studie seien reine Theorie, so die beiden flämischen Tageszeitungen De Standaard und Het Nieuwsblad, denn ein Effizienzgewinn sei in der Praxis nur schwer in diesen beiden Berufskategorien zu erreichen.

Ein weiteres Effizienzproblem bei der belgischen Eisenbahn ist die geringe Geschwindigkeit, mit der die Züge hier im Land fahren. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 57 km/h drückt die Effizienz deutlich nach unten. Das bedeutet nämlich unter dem Strich, dass das Bahnpersonal in einem bestimmten Zeitfenster deutlich weniger Strecke zurücklegt, als die Kollegen der mit der NMBS/SNCB verglichenen europäischen Bahnen.

Ein Abbau von 1.300 Lokführern und Schaffnern könne laut McKinsey eine Ersparnis von rund 53 Mio. € bringen, doch dies will die Bahn nicht machen. Ganz im Gegenteil, denn derzeit werden entsprechende Mitarbeiter in breitem Umfang angeworben und ausgebildet.

Einsparmöglichkeiten

In einigen Bereichen sehen McKinsey und die belgische Eisenbahn sehr wohl realisierbare Einsparmöglichkeiten und zwar auf Ebene des Unterhalts des Materials und beim so genannten „Overhead“, sprich bei der Verwaltung und in der Führungsstruktur. Beim Fahrzeugunterhalt können auf absehbare Zeit bis zu 63 Mio. € eingespart werden, denn der alte Fahrzeugbestand wird derzeit durch neue Maschinen und Triebzüge sukzessive ersetzt. Mit einer Zentralisierung auf Verwaltungsebene könnten wohl ebenfalls bis zu 46 Mio. € eingespart werden.

Jonas Roosens

"Bahnhöfe sollen übertragen werden"

Die flämischen Nationaldemokraten N-VA sind der Ansicht, dass die Verwaltung der belgischen Bahnhöfe von der Bahnholding NMBS/SNCB an die bahneigene Infrastrukturgesellschaft Infrabel übertragen werden soll, wie die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd meldet.

Die Bahn könne nicht weiter die Leitung der Bahnhöfe übernehmen, so zitiert De Tijd die N-VA, denn damit könne sie ihr Monopol nutzen, um ausländische Mitbewerber über überhöhte Nutzungstarife zu benachteiligen. Infrabel müsse in diesem Zusammenhang der unabhängige Spieler in der Verwaltung der Bahn-Immobilien werden.

Die N-VA, sowohl auf flämischer Landes-, als auch auf belgischer Bundesebene in der Mehrheit, ist überdies der Ansicht, dass eine integrierte und einheitliche Eisenbahngesellschaft effizienter wäre, als die derzeitige Verteilung der Aktivitäten über die Holding NMBS/SNCB und Infrastrukturbetreiber Infrabel.