Illegale Einwanderer marschieren zum Premier

Am Samstag um 11.00 Uhr sind rund dreihundert Personen ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung vom Brüsseler Nordbahnhof zu einem Marsch nach Wavre (Wallonien) aufgebrochen. Das ist die Stadt, in der Premier Charles Michel wohnt. Sie wollen sich Gehör verschaffen und fordern mehr Klarheit über ihre Situation.

Die Migranten, die illegal in Belgien verbleiben, kritisieren die belgische Einwanderungspolitik und wollen mehr Klarheit über ihre Situation.

Die Ankunft der 25 Kilomer langen Wanderung ist für 18.30 Uhr am Rathaus (Foto) von Wavre geplant.  Die Demonstranten ziehen über Watermaal-Bosvoorde durch den Zoniënwald/Forêt de Soignes in Richtung Wavre. Dort hoffen sie, Premier Michel treffen zu können.

"Wir hoffen, dass er zu Hause ist. Wir wissen aber auch, dass er viel zu tun hat. Es ist sicher nicht leicht, ein Land zu regieren", so  Hamid, einer der Begleiter des Marsches, der schon seit 2002 ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in Belgien lebt.

"Falls er heute nicht da ist, hoffen wir, dass er wenigstens dem Staatssekretär für Asyl und Migration, Theo Francken, unsere Botschaft mitteilt", so ein anderer Demonstrant gegenüber der Presseagentur Belga.

Der Verband der 'Sans Papiers' fordert Regulierungsmaßnahmen für alle Einwanderer ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in Belgien. Schätzungen zufolge beträgt ihre Zahl zwischen 100.000 und 150.000.

Weitere Forderungen sind die Schließung aller geschlossenen Asylheime, eine Niederlassungsfreiheit, eine sofortige Einstellung von Abschiebungen und der Kriminalisierung von illegalen Einwanderern sowie das Recht auf Ausbildung und medizinische Versorgung.

"Ich wohne schon seit neun Jahren in Belgien. Ich arbeite, aber meine Kinder können nicht zur Kita und meine Arztkosten werden nicht rückerstattet. Vorerst haben die Kinder noch Ausweise, aber sobald sie 18 sind, verlieren sie die auch noch", betont Natalia von der Latino-Gemeinschaft.

Der Marsch ist eine Initiative der Koordination von Menschen ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung. Die Initiative besteht aus verschiedenen Gruppen. Rund 30 Begleiter sorgen für die Sicherheit.