Immo-Webseite informiert über Nachbarschaften

Wer sich in Belgien auf die Suche nach seinem Traumhaus begibt, dem bietet die neue Immo-Webseite Realo einen ganz besonderen Service. Die Macher der Seite bieten Interessenten Informationen über das „soziale Profil“ der Nachbarschaft und des Viertels, in dem das gesuchte oder gewünschte Objekt zu finden ist. Das allerdings geht einigen zu weit.

Die Informationen zum „sozialen Profil“ von Nachbarschaften, die die Webseite der Immobilien-Gesellschaft Realo bietet, gehen sehr weit, die auch die flämische Tageszeitung Het Laatste Nieuws in ihrer Mittwochsausgabe feststellt. Da geht es um das durchschnittliche Einkommensniveau, um den ethischen Hintergrund der Viertel - sprich um den Ausländeranteil oder deren Herkunft - in denen Objekte angeboten werden und sogar um den Bildungsstand der Nachbarschaften.

Toon Coppens, der Gründer der Immo-Webseite Realo, gab gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion an, dass es sich bei seinem Angebot um wesentlich mehr Informationen handelt, als nur um das „soziale Profil“ von Wohngegenden: „Es ist heute sehr schwierig, die richtige Information zu finden. Wir wollen deshalb alle Informationen bündeln, die über die Behörden öffentlich zugänglich gemacht werden.“

Das betreffe zum Beispiel auch Informationen zum Nahverkehr im direkten Umfeld der gewünschten Objekte. Es liege an den Käufern selbst, welche der gebotenen Informationen für sie wichtig oder ausschlaggebend sei, so Coppens.

Umstritten ist bei Realo auch die Tatsache, dass die Informationen auch den geschätzten Nachbarhäusern aufweist, die nicht zum Verkauf stehen. Auch darin erkennt Realo-Gründer Toon Coppens kein Problem: „Wir wollen ein Bild der Nachbarschaften zeichnen. Wir bieten auch nur Informationen, die in jüngster Zeit ohnehin online waren. Wenn jemand ein Problem damit hat, dann entfernen wir diese Informationen.“ Realo wolle den Markt ganz einfach transparenter gestalten.

Vorsichtige Kritik

Das staatliche belgische Zentrum für Chancengleichheit hat Fragen bei der Herangehensweise von Realo. „Wir müssen das prüfen.“, so Zentrumsdirektor Patrick Charlier am Montag gegenüber der VRT. „Wir wussten nicht, dass diese Webseite besteht. Bei uns aber weckt dies die Vermutung von Stigmatisierung und vielleicht sogar Diskriminierung.“

Willem Debeuckelaere, der Vorsitzende der belgischen Privacy-Kommission, gab hingegen an, derzeit noch keine Bedenken zur Vorgehensweise der Realo-Immo-Webseite zu hegen: „Wir werden diese Webseite in den kommenden Wochen gut im Auge behalten, doch auf den ersten Blick hin werden hier allerlei in den verschiedensten Quellen verfügbare Informationen intelligent genutzt.“