Waterloo: Eine kleine Stadt in Brabant

In diesen Tagen jährt sich die berühmte Schlacht von Waterloo zum 200. Mal. Das geht natürlich nicht unbemerkt am ehemaligen Schlachtfeld vorbei. Dieses Schlachtfeld ist heute von der „Butte du Lion“ gekennzeichnet, der „Hügel des Löwen“. Doch der liegt in der Nachbargemeinde Braine-L¿Alleud, rund 4 km südlich der Stadt Waterloo. Warum also Schlacht von Waterloo? Und welche Bedeutung hat die Stadt Waterloo eigentlich heute?

Die Schlacht von Waterloo trägt den Namen dieser Stadt in der heutigen Provinz Wallonisch-Brabant, weil dort der Herzog von Wellington sein Quartier bezogen hatte und weil von dort aus die Nachricht des Sieges über Napoleon in die Welt hinaus gesendet wurde. Im damaligen Quartier des britischen Generals befindet sich heute das Wellington-Museum, eine Pilgerstätte für Touristen vor allem aus Großbritannien. Diese Wellington-Baracks im Zentrum von Waterloo (Foto oben) sind noch stets eine Ikone der britischen Kriegsgeschichte.

Heute hat Waterloo rund 30.000 Einwohner und ist wegen seiner schönen Lage mitten im grünen Umland Brüssels zu einer Art Wohn- und Schlafstadt für wohlhabende Bürger aus der belgischen (und europäischen) Hauptstadt geworden. Mittlerweile zählt Waterloo zu den reichsten Gemeinden in Belgien und übt ob seiner Lage und seiner Geschichte eine besondere Anziehungskraft auf in Brüssel tätige Briten, US-Amerikaner und auch Skandinavier aus, die dort bei der EU, bei der Nato oder in der internationalen Wirtschaft tätig sind.

Diese haben sich hier zu hunderten niedergelassen und haben sogar eigene Supermärkte, in denen so gut wie niemand des Personals die in Wallonien übliche Landes- und Verwaltungssprache Französisch spricht… Entsprechende Schulen gibt es deren drei in Waterloo: Die St. John´s International School, die Scandinavian School of Brussels und die European Montessori School.

Doch ein Besuch in Waterloo angesichts der 200 Jahr-Feier der weltberühmten gleichnamigen Schlacht, die den Sieg über Napoleon brachte und auch eine Art Neuorganisation Europas, ist eher eine Enttäuschung. Schon der Fußweg aus Richtung Bahnhof, ein Bau aus der Gründerzeit der belgischen Eisenbahn an der Bahnstrecke 24 zwischen Brüssel und Charleroi, der nicht besonders gut unterhalten scheint, zeigte Lieblosigkeit und eher verfallende Pracht aus vergangenen Zeiten. Die schönsten Häuser am Wegesrand - verspielt gebaute Herrenhäuser, die von überwucherten Gärten umgeben sind - stehen leer und warten auf bessere Zeiten (Foto).

Im Zentrum angekommen erwarten den Besucher nicht wenige leer stehende Geschäftslokale, sich an die oben erwähnten Zugezogenen und an ausländische Gäste richtende Supermärkte mit (mit Verlaub bemerkt) eher unfreundlicher Bedienung und Touristenfallen in Form von zum Saufen anregende Kneipen (Foto). Das Stadtzentrum zeigte sich zwar sauber und mehr oder weniger fein herausgeputzt aber am helllichten Tage fast menschenleer, von auf den Bus wartenden Schülern mal abgesehen.

Ab und an nahten Reisebusse mit „Schlachten-Bummlern“, die in kürzester Zeit durch die Wellington-Baracks geführt wurden, um danach vor einem der oben erwähnten Wirtshäuser abgekippt wurden, um dort heimische Kost (nicht unbedingt belgischer Art) vorgesetzt zu bekommen. Ein wenig lieblos das Ganze. Waterloo hätte zum 200. Jahrestag der Schlacht, die ihren Namen trägt, mehr aus sich machen können, denn der Name Waterloo geht in diesen Tagen um die Welt.

Echtes touristisches Marketing scheint weit entfernt und schon im nahegelegenen Brüssel richtet sich jedes Augenmerk fast ausschließlich an die „Butte du Lion“ in Braine L`Alleud, rund 4 km südlich. Schade. Dabei hat diese fast idyllische Kreisstadt mit ihrer historischen Architektur mitten im grünen Umland von Brüssel doch eigentlich so viel zu bieten...