Volksfest: 300 Jahre Minimenkirche

Im Rahmen des Volksfestes zum 300. Geburtstag der Minimenkirche (Foto) im Brüsseler Stadtteil Marollen wird auf Vorschlag der Belgisch-Bayerischen Gesellschaft auch der noch namenlose Vorplatz der Kirche eingeweiht und dem Andenken des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, des Initiators des Baus der Minimenkirche gewidmet: „Vorplatz Max Emanuel von Bayern, Generalstatthalter der Spanischen Niederlande“.

Der Bürgermeister der Stadt Brüssel Yvan Mayeur und der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Dr. Eckart Cuntz haben die Schirmherrschaft über die Einweihung des Platzes übernommen.

Besonderheit der Minimenkirche

Dass gerade der 21. Juni als Höhepunkt der Feierlichkeiten ausgewählt wurde, hat seinen besonderen Grund in der Architektur der Minimenkirche: die Kirche wurde so konstruiert, dass sie am Tage der Sommersonnenwende genau um 21.00 Uhr durch einen Sonnenstrahl durchflutet wird, der die ganze Kirche durchleuchtet und auf das Wort „Christus“ auf dem Fries der Apsis trifft.

Diese Idee geht auf den Minimenbruder Philibert Bressant zurück. Die gleiche architektonische Besonderheit zeichnet auch denAbu Simbel Tempel in Ägypten aus.

Kurfürst Max Emanuel von Bayern

Maximilian II Emanuel, kurz Max Emanuel (1662 – 1726) wurde 1679 Kurfürst von Bayern. Während des Großen Türkenkrieges 1683 trug er als Feldherr im Dienste Kaiser Leopolds I. maßgeblich zum militärischen Erfolg gegen die Türken bei. Wegen seiner blauen Uniformjacke, die schon von weitem zu erkennen war, wurde er der „Blaue König“ genannt.

Im Verlauf des Pfälzischen Erbfolgekrieges kämpfte er gegen Frankreich und wurde vom spanischen König Karl II. 1692 zum Generalstatthalter der Spanischen Niederlande ernannt, ein Amt, das er bis 1704 innehatte. Nach der Zerstörung Brüssels durch die Truppen Ludwigs XIV. war es Max Emanuel, der mit Geldern aus Antwerpen und Bayern für die Versorgung der verarmten Bevölkerung aufkam.

Auf ihn geht auch der Wiederaufbau des Grande Place von 1695-1698 zurück, die seit damals fast unverändert geblieben ist. Das zweite berühmte Wahrzeichen Brüssels, Manneken Pis, verdankt ihm übrigens sein erstes Kostüm.

Von 1711 bis 1714 war Max Emanuel erneut Souverän der Spanischen Niederlande (Namur, Luxemburg, Charleroi), bevor er 1714 nach Bayern zurückkehrte. Max Emanuel galt als kunstsinniger Herrscher, der mit 101 Brabanter Gemälden, darunter 12 von Peter Paul Rubens, die Grundlage zur Alten Pinakothek in München legte und auch sehr an Musik interessiert war. Er ist der Erbauer der Schlösser Fürstenried und des neuen Schlosses Schleißheim.

Der Riese Max Emanuel

Der Riese Max Emanuel im Kostüm des Kurfürsten mit blauer Jacke, Marschallstab und Degen ist eine Schöpfung der Belgisch-Bayerischen Gesellschaft zum 350. Jahrestag des Geburtstags des bayrischen Kurfürsten am 11. Juni 2012. Der Riese ist 3,50 Meter groß und ca. 60 kg schwer.

Transportiert wird er meist von einem Menschen, der sich in seinem Körper befindet und über Gurte die Figur anheben kann. Wegen des großen Gewichtes der Figur müssen die Träger alle 10 Minuten gewechselt werden. Wenn der Träger die Figur hin- und her bewegt, sieht es aus, als ob der Riese tanze.

Am 22.9.2012 wurde der Riese in Neufraunhofen getauft, wobei Prinz Ludwig von Bayern und Prinzessin Marie-Christine de Merode Pate und Patin waren. Seitdem wird der Riese bei besonderen Veranstaltungen in Brüssel und München eingesetzt, um auf die Beziehungen zwischen beiden Ländern am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts hinzuweisen.

So war er z.B. im September 2012 auf dem Münchener Oktoberfest, im Oktober 2012 bei seinem Einzug in Brüssel, und im September 2013 beim Fest der Wallonie in Namur zu sehen.

Geschichte der Minimenkirche (SS Jean et Etienne aux Minimes)

Eine kleine Gruppe Paulanermönche (Frères minimes) ließ sich bereits Anfang des 17. Jahrhunderts in Brüssel nieder. Der Orden zeichnet sich durch franziskanische Spiritualität und einen sehr strengen Lebensstil aus. Die Brüder gründeten in der Nähe der heutigen Minimenkirche ein Kloster und errichteten eine erste kleine Kirche.

Nach der Zerstörung der Stadt durch Ludwig XIV 1695 regte der damalige Generalgouverneur der spanischen Niederlande Max Emanuel von Bayern den Neubau der Minimenkirche in Form einer Basilika und im Stil des Übergangs vom Barock zum Klassizismus an. Er zeigte großes Interesse an der Entwicklung dieses Bauprojektes, besuchte die Vorgängerkirche 1699 und 1700 mehrere Male und legte 1700 den Grundstein für den Bau der heutigen Kirche, die 1715 vollendet wurde.

Seitdem stand die Kirche immer im Zentrum aller Entwicklungen des Stadtviertels Marollen. Seit der französischen Revolution, als der katholische Ritus praktisch verboten war, wurde die Kirche als Tabakfabrik, Lithographieatelier, Militärhospital, Schule und Frauengefängnis genutzt und war mehrfach auch ganz geschlossen. Als der niederländische König Wilhelm I. jedoch 1830 versuchte, die Kirche als Teil der Kirchengüter zu nationalisieren, besetzten die Bewohner des Stadtviertels „ihre“ Kirche, hinderten die Gendarmen an der Durchführung ihres Auftrags und vertrieben sie. So wurde die Minimenkirche die einzige Pfarrkirche, die tatsächlich ihren Gemeindemitgliedern gehört.

Die Belgisch-Bayerische Gesellschaft

Ziel der Belgisch-Bayerischen Gesellschaft ist es, die enge Verbindung zwischen Belgien und Bayern, zwei Regionen, die sich sowohl ihrer eigenen Tradition als auch ihrer gemeinsamen Geschichte sehr bewusst sind, zu vertiefen und zu bereichern.

Die Gesellschaft hat etwa 300 Mitglieder, die aber nicht nur aus Belgien und Bayern kommen, sondern aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland und anderen europäischen Ländern.

Weitere Informationen: www.b-b-g.info