Vor 20 Jahren: Dutroux entführt Julie und Melissa

Vor genau 20 Jahren wurden die beiden 8 Jahre alten Mädchen Julie Lejeune und Melissa Russo von dem Kinderschänder Marc Dutroux entführt. Rund 14 Monate später wurden die beiden Kinder tot auf dem Anwesen von Dutroux entdeckt. Der Fall Dutroux, der mit diesen Entführungen seinen Anfang nahm, beeinflusst die Gesellschaft in Belgien bis heute.

Mit dem Verschwinden von Julie und Melissa vor genau 20 Jahren begann für Belgien ein Albtraum, der fast das ganze Land aus seinen Grundfesten gehoben hätte. Am 24. Juni 1995 verschwinden die beiden 8 Jahre alten Mädchen in der Nähe ihres Wohnortes in Grâce-Hollogne bei Lüttich. Für deren Eltern beginnt damit ein schier unendliches Trauma. Die Justiz reagiert unbeholfen und Informationen über die Ermittlungen gibt es kaum.

14 Monate später, im August 1996, werden zwei Opfer von Mark Dutroux, Sabine Dardenne (damals 12 Jahre alt) und Laetitia Delhez (damals 14), lebend befreit. Doch am 18. August werden im Garten eines der Häuser von Dutroux in Sars-la-Buissière in der Provinz Hennegau die Leichen von Julie und Melissa entdeckt. Im darauffolgenden Monat September werden auch die Leichen der seit August 1995 verschwundenen Jugendlichen An Marchal (18) und Eefje Lambrecks (17) entdeckt. Dutroux und seine Helfershelfer hatten die beiden jungen Frauen in Westende an der Küste entführt.

Später stellte sich heraus, dass die Polizei und die Justiz bei ihren Ermittlungen im Fall Dutroux auf ganzer Linie versagt haben. Ermittlungsfehler folgten damals wohl Schlag auf Schlag. Schon kurz nach der Entführung von Julie und Melissa verfügten Polizei und Justiz über massenhaft Hinweise und Indizien, die zu Dutroux führten. Nur tauschten damals die verschiedenen und miteinander rivalisierenden Ermittlungsdienste von Polizei und Gendarmerie und auch die mit dem Fall befassten Staatsanwaltschaften ihre Erkenntnisse nicht aus.

Nach und nach kam das Versagen von Belgiens Polizei und Justiz bei der Affäre Dutroux an die Öffentlichkeit und die Wut der Bevölkerung steigerte sich von Tag zu Tag. Kurz nach der Verhaftung von Marc Dutroux, am 20. Oktober 1996, fand in der belgischen Hauptstadt Brüssel mit dem so genannten „Weißen Marsch“ eine Demonstration statt, an der rund 300.000 Menschen teilnahmen. Sie alle forderten eine bessere Justiz für das Land.

In den Jahren danach wurden die Justiz und die Polizei in Belgien gründlich reformiert. Im Zuge der Polizeireform wurden die Gendarmerie und die eigenständige Kriminalpolizei quasi angeschafft und in eine integrierte Einheitspolizei eingefügt. Die Justizreform in Belgien ist bis heute nicht wirklich angeschlossen, denn im Zuge der Staatsreformen in Belgien erfolgen Umstrukturierungen, die zum Teil immer noch in der Folge der Affäre Dutroux zu suchen sind.

Nicht zuletzt wurden danach auch das Kindersuchwerk Child Focus und die polizeiliche Sonderkommission für vermisste Personen und bei den Staatsanwaltschaften wurden SOKOs für Vermisstenfälle eingerichtet.