"Zuerst Reformen, danach Schulden neuordnen"

Luc Coene (Foto), der frühere Gouverneur der belgischen Nationalbank und aktuell Aufsichtsrat bei der Europäischen Zentralbank, ist der Ansicht, dass ein Umschichten der griechischen Schulden mittelfristig unvermeidbar sei. Doch zuerst müssten die Griechen die Reformen, die ihre Gläubiger verlangen, akzeptieren. Inzwischen wurde auch in Brüssel zum Drama in Griechenland demonstriert.

Falls die Griechen in ihrem Referendum am Sonntag gegen die EU-Reformvorschläge stimmen, steht Europa ein heißer Sommer bevor, warnt Ex-Nationalbank-Gouverneur und EZB-Aufsichtsrat, Luc Coene. Schon am Montag stünde den griechischen Banken der Kollaps bevor.

„Ab der kommenden Woche werden die Banken in Bedrängnis geraten, denn dann werden sie kein Geld mehr haben und das Problem zeigt sich von einer neuen Seite. Ab nächster Woche muss unmittelbar genau hingeschaut werden. Die Szenarien stehen in etwa fest. Dann stellt sich die Frage, was wir in Zusammenhang mit dem Ausgang des Referendums tun müssen. Aber, es muss schnell gehandelt werden, um zu verhindern, dass die Lage komplett aus dem Ruder läuft und dass das gesamte Finanzsystem zusammenbricht.“

Wenn das geschieht, dann habe das unvermeidliche Folgen für die gesamte europäische Wirtschaft. Das Vertrauen werde sinken und damit einher gingen die Investitionen zurück. Das bedeutet in den Augen des Finanzfachmanns Coene, dass das gerade wieder aufblühende wirtschaftliche Wachstum abbreche.

Pro-Syriza-Demo auch in Brüssel

Auch in Brüssel demonstrierten am Freitagabend mehrere tausend Menschen gegen die von der EU vorgeschlagenen Sparvorgaben für Griechenland. Aufgerufen hatte eine Organisation aus rund 70 verschiedenen Gruppen, die sich "Gemeinsam mit den Griechen" nennt und die für ein 'Nein' beim Referendum am Sonntag eintritt.

Die veranstaltenden Organisationen - Gewerkschaften, Verbände zur Armutsbekämpfung aber auch Linksparteien, Brüsseler Syriza-Vertreter und Podemos-Politiker aus Spanien - stellen sich gegen die Haltung von EU, EZB und IWF gegenüber Griechenland. Laut "Gemeinsam mit den Griechen" gingen dabei 5.000 Menschen in der Brüsseler Innenstadt auf die Straße. Die Polizei will aber lediglich rund 3.000 Teilnehmer registriert haben.