Belgiens Gesundheitsministerin wirbt für personalisierte Therapie in Europa

Zum Auftakt eines Treffens über das Gesundheitsprogramm der Luxemburger Ratspräsidentschaft hat die belgische Ministerin für Gesundheit und Soziales, Maggie De Block, für ein gemeinsames europäisches Vorgehen in Sachen personalisierte Medizin geworben. Seit dem 1. Juli hat Luxemburg den Vorsitz des Rates der Europäischen Union inne. Eine der Prioritäten des Programms ist ein besserer Zugang zu personalisierter Medizin für eine größere Anzahl von Bürgern.

Personalisierte Medizin sei ein wichtiger Therapieansatz in Bereichen wie der Krebsbehandlung und der Behandlung seltener Krankheiten, heißt es in dem Pressebericht der Gesundheitsministerin. Es sei ein Aufruf, damit die nötigen Initiativen für wirkungsvollere Frühdiagnosen und sichere, bessere sowie maßgeschneiderte Patientenbehandlungen unternommen würden.

“Das aktuelle klinische Musterbeispiel, nach dem Medikamente für bestimmte und damit in der Zahl begrenzte Patientengruppen entwickelt und auf den Markt gebracht werden, entspricht nicht den spezifischen Kennzeichen personalisierter Medizin. Angesichts der kleinen Patientenzahl pro Mitgliedsland, muss die Investitionslast von der klinischen auf die Realforschung umgeschichtet werden. Hierfür bedarf es jedoch eines durch die EU-Mitgliedstaaten gemeinsam geführten Datenregisters”, so die Ärztin und Ministerin, Maggie De Block, in der Mitteilung.

Bei personalisierten Therapien sollen Patienten unter weitgehender Einbeziehung individueller Gegebenheiten, über die funktionale Krankheitsdiagnose hinaus, behandelt werden. Ein fortlaufendes Anpassen der Therapie an den Gesundungsfortschritt ist deshalb unerläßlich. Bei diesen Therapien handelt es sich um eine kleine Patientenanzahl. Trotzdem müssen Pharmabetriebe überzeugende Sicherheitsbeweise sowie Wirkungsnachweise und einen Mehrwert des Ansatzes liefern. Angesichts der heutigen Anforderungen für die klassische klinische Untersuchung, die auf randomisierten klinischen Studien mit großer Patientenzahl beruhen, ist das jedoch oft sehr schwierig bis unmöglich. Klassische Studien sind teuer und zeitaufwendig - Zeit, die die betroffenen Patienten häufig nicht haben.

“Das ist der Grund, warum wir einen Paradigmenwechsel brauchen. Die Last der klinischen Forschung muss auf Realdaten basierte Analysen (die Untersuchung realer Daten) verlagert werden. Die Kooperation bei gemeinsamen Registriersystemen auf europäischer Ebene wäre ein großer Schritt nach vorne. Die Patienten hätten einen schnelleren Zugang zu innovativer personalisierter Medizin und Behandlungsmethoden zu wesentlich günstigeren Kosten.“

IMS, ein führendes Beraterunternehmen im Gesundheitswesen, betont noch, dass gezielte Therapien ihren Anteil am Onkologiemarkt in Belgien stark erhöht hätten. Derzeit machten sie 46 % des erzielten Umsatzes aus, vor einem Jahrzehnt waren es gerade einmal 11 %.