Flanderns Ministerpräsident: "Ein Außenministerium für Flandern!"

An diesem 11. Juli ist in Flandern offiziell Feiertag. Der Tag erinnert an den 11. Juli 1302, an dem zum ersten Mal ein Heer von Bürgern und Bauern eine Armee französischer Ritter auf dem Groeningekouter bei Kortrijk besiegte. In Kortrijk hielt deshalb der flämische Ministerpräsident Geert Bourgeois seine Rede zum 11. Juli und zeigte sich von einer sehr nationalistischen Seite. Er wies daraufhin, dass der Bereich auswärtige Beziehungen durchaus in den flämischen Kompetenzbereich falle und suggerierte, dass 2019 in einer neuen Runde über eine weitere Staatsreform verhandelt werde.

Schon Kris Peeters, der ehemalige Ministerpräsident Flanderns, hatte sich bei seinen Reden von Kortrijk inspirieren lassen. Für Geert Bourgeois war es die erste Ansprache als Ministerpräsident Flanderns zum 11. Juli. Er zeigte sich besonders regionalistisch und sah vor allem bei der Außenpolitik ganz klar Befugnisse für Flandern.

"Wir sind viel zu bescheiden in Flandern", begann Bourgeois seine Rede und führte weiter aus: "Wir haben Trümpfe, zu denen sie im Ausland aufschauen und die uns Respekt einbringen. Dank unseres qualitätsvollen Unterrichtswesens, Dank unserer engagierten Lehrer, die jeden Tag mit Begeisterung vor der Klasse stehen, sind die Flamen gut ausgebildet, produktiv und sehr bei flämischen und ausländischen Unternehmen geschätzt."

Flandern, so Bourgeois, habe hart arbeitende Unternehmer eine exzellente Wissensinfrastruktur, weltweit renommierte Forschungszentren und Wissenschaftler mit Spizenausbildung. In Sektoren wie der Nanoelektronik und der Biotechnologie gehöre man zur Weltspitze und sei man anderen Ländern sogar um Jahre voraus. Daneben hob der Minsiterpräsident die gute Lage der Region hervor, die auch durch ihre gut ausgerüsteten Häfen und Logistikunternehmen ein Tor zu Europa darstelle.

Die flämische Regierung wolle deshalb auch selbstbewusst Europa und der Welt gegenübertreten. Flandern führe eine vollwertige Außenpolitik und werde international als ein loyaler Vertragspartner anerkannt. Schon bald werde Flandern ein vollwertiges Außenministerium haben, betonte Bourgeois noch. "Wir wollen auch innerhalb der Strukturen der Europäischen Union eine vollwertige Rolle spielen", fügte der belgischen Regionalist von der N-VA hinzu.

"Flandern ist ein Teilstaat mit gesetzgeberischen und Auslandsbefugnissen. Es muss die Interessen von Ihnen allen beherzigen. Deshalb müssen die Kooperationsabkommen zwischen der föderalen Ebene und den Teilstaaten so schnell wie möglich abgeändert werden."

Flandern ist in der Außenpolitik fest etabliert. Das ist der rote Faden, der sich durch die Rede von Bourgeois zieht und die Message, die der flämische Ministerpräsident an diesem 11. Juli für die belgische Regierung und das Volk hat. Die flämische Regierung "wird nicht zulassen, dass die Uhr zurückgedreht wird und dass die föderale Ebene flämische Befugnisse an sich reißt."

"Auf allen flämischen Einrichtungen in Brüssel wird künfti ein 'N' stehen"

Der flämische Ministerpräsident vergaß übrigens auch nicht, die guten Beziehungen zu den Niederlanden zu erwähnen und er betonte auch noch einmal, dass man an der Sprachgrenze auf jeden Fall festhalte. Die sei heilig und an ihr werde nicht gerüttelt.

Außerdem werde Flandern Brüssel niemals fallen lassen. Im Gegenteil: "Alle flämischen Einrichtungen in Brüssel bekommen ein einheitliches Logo mit dem Buchstaben 'N' darauf. Auf diese Weise machen wir unser Qualitätsangebot niederländischsprachiger Einrichtungen für alle Brüsseler und Besucher visuell sichtbar. Die flämische Anwesenheit in Brüssel wird sichtbarer denn je!", schloss Bourgeois seine Rede und wünschte damit allen "einen schönen flämischen Festtag!"