Parlamentsvorsitzender fordert noch mehr Selbstbestimmung für Flandern

"Die sechste Staatsreform darf kein Abschluss sein." Als stärkster Partner in der belgischen Struktur habe Flandern das Recht und die Pflicht, noch mehr Autonomie abzuringen, betonte der flämische Parlamentspräsident Jan Peumans von den flämischen Regionalisten (N-VA) am Samstag anlässlich des 11. Juli, also des offiziellen Festtags der Flamen. Er sagte dies in einer Rede im Brüsseler Rathaus.

Bei der Rede im Rathaus waren auch Premierminister Charles Michel, verschiedene Parteipräsidenten und Vertreter der föderalen Regierung und der regionalen Regierungen anwesend.

Flandern hat in all den Jahren immer mehr Befugnisse hinzubekommen. Laut dem Parlamentsvorsitzenden Peumans dürften die Flamen ruhig "stolz" auf die zunehmende Autonomie sein.

"Wir müssen das Selbstbestimmungsrecht mit mehr Begeisterung verkünden", so Peumans weiter.

Obwohl die sechste Staatsreform zu einer größeren Autonomie Flanderns beigetragen und den flämischen Haushalt von 28 auf rund 37 Milliarden Euro im Jahr gestärkt habe, dürfe die sechste Staatsreform laut Peumans "kein Endpunkt" bedeuten. Peumans geht sogar noch einen Schritt weiter. Als stärkster Partner in der belgischen Struktur habe Flandern das "Recht und die Pflicht, noch mehr Autonomie abzuringen, nicht nur für uns, sondern für alle Teilstaaten."

Auch Peumans wies wie sein Parteikollege, der flämische Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA), auf die Wichtigkeit der flämischen Befugnisse in Sachen Außenhandel und Diplomatie hin. "Es ist absolut wichtig, dass wir unsere eigene, starke, flämische Diplomatie ausbauen", so Peumans noch.

Das Streben nach mehr Autonomie stehe übrigens nicht im Gegensatz zur zunehmenden Integration der Europäischen Union. "Es liefere vielmehr einen Beitrag zur Ausweitung dieser".

Es sei zudem ein "natürlicher Prozess". Außerdem bildeten "natürlich gewachsene Nationen einen besseren Nährboden für ein konfliktfreies Europa. Die Regionen seien der beste Baustein für ein stabiles Europa.

Die Zeremonie im Brüsseler Rathaus wurde mit dem Singen "des flämischen Löwen“, also der Nationalhymne Flanderns, beschlossen.