Hauch von belgischem Optimismus über Griechenlands Schicksal

Die Euro-Gruppe zu Griechenland hat am Samstag bis um Mitternacht und am Sonntag ab 11 Uhr über ein drittes Hilfspaket beraten. An diesem Sonntagnachmittag kommen nun auch noch die Staats- und Regierungschefs zusammen. Der belgische Premier Charles Michel sagte bei seiner Ankunft, Belgien sei "fest entschlossen, alles zu tun, eine Lösung zu finden." Michel ist kein Befürworter eines vorübergehenden Ausscheidens Athens aus der Eurozone.

Es bestehe Hoffnung für eine Lösung, auch wenn das schwierig werden würde, war von Michel zu hören. Damit so ein Ergebnis zustande komme, müsse jeder Zugeständnisse machen, die griechische Regierung natürlich, aber auch die anderen Euroländer, so Michel.

Ganz so optimistisch klang die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Eintreffen am Sonntagnachmittag zur Eurogruppe in Brüssel jedoch nicht.

"So wie es aussieht, werden wir von der Eurogruppe noch kein einmütiges Papier bekommen, das zur Aufnahme von Verhandlungen auffordert", sagte sie der Presse.

"Es ist auch kein Wunder, denn die Lage ist extrem schwierig. Zum einen, wenn man an die ökonomische Situation Griechenlands denkt, auch an die Verschlechterung in den letzten Monaten, aber auf der anderen Seite auch deshalb, weil das Wichtigste verlorengegangen ist und das ist das Vertrauen und die Verläßlichkeit. Das heißt also, wir werden heute harte Gespräche haben und es wird auch keine Einigung um jeden Preis geben."

"Ich weiß, dass die Nerven angespannt sind, aber es muss sichergestellt sein, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen und zwar sowohl für die Zukunft Griechenlands als auch für die Eurozone als Ganzes und für die Prinzipien unserer Zusammenarbeit", fuhr die deutsche Bundeskanzlerin fort.

"Das heißt also, wir werden dann am Abend überprüfen, ob die Voraussetzungen gegeben sind, dass wir Verhandlungen für ein Programm zum ESM für Griechenland aufnehmen können."

Die europäischen Staats- und Regierungschefs der Regierungen der Eurozone sollen sich an diesem Sonntag zu den Reformvorschlägen Griechenlands äußern, die Voraussetzung für ein drittes Hilfsprogramm für das Land sind.

Auch Belgiens Premier Michel gab zu, dass die griechische Regierung in den vergangenen Tagen zwar Anstrengungen unternommen hätte, dass es aber sicher noch eines weiteren Engagements bedürfe, um das Vertrauen zu stärken. "Ich hoffe, dass die griechische Regierung, aber auch die anderen europäischen Partner in der Lage sind, ihre Verantwortung zu übernehmen", so der Premier noch.

Der belgische Premier betonte zudem, dass es wichtig sei, weiterhin zusammenzuhalten - selbst in schwierigen Zeiten.

"Im Namen Belgiens: Wir wollen Stabilität, wir wollen so schnell wie möglich eine Lösung, die es den Investoren ermöglicht, Beschäftigung und Arbeitsplätze zu schaffen."

Der Premierminister schloss allerdings, genau wie die deutsche Bundeskanzlerin, nicht aus, dass die Verhandlungen bis tief in die Nacht andauern könnten. "In Belgien", so Michel, "sei man das aber gewöhnt." Und abschließend fügte er hinzu: "Ich hoffe, wir gehen mit einem Lächeln aus der Sitzung."

Unterdessen betonte der belgische Finanzminister, Johan Van Overtveldt, nach Ablauf der vorbereitenden Versammlung der Finanzminister: "Wir sind zu 90 Prozent aus der Sackgasse herausgekommen. Jetzt müssen die Staats- und Regierungschefs die wichtigsten Streitpunkte lösen."