Griechen: Van Overtveldt verteidigt harte Haltung

Belgiens Finanzminister Johan Van Overtveldt (N-VA - Foto) verteidigt die radikale Herangehensweise der Länder der Eurozone gegenüber Griechenland. Man könne nicht anders, als den Griechen weitgehende Reformen aufzuerlegen, wenn Griechenland habe es darauf ankommen lassen, so der Minister.

Belgiens Finanzminister Johan Van Overtveldt ist der Ansicht, dass Europa und die Eurozone keine andere Wahl mehr hatten und dazu gezwungen waren, Griechenland derart radikale Reformen aufzuzwingen. Die griechische Regierung habe es durch ihre Haltung ja dazu kommen lassen:

„Wenn man an einen Punkt ankommt, an dem einem das Wasser bis zum Hals steht und entsprechende Schritte einfach genommen werden müssen, dann kann das für die Außenwelt vielleicht als brutal herüberkommen. Doch das ist dann das Ende eines Prozesses, in dem sich namentlich die griechische Regierung fortwährend weigerte, Antworten zu geben oder nur ausweichende Antworten gab. Seit Februar hätten wir Schritte einleiten können, denn wir haben immer wieder Vorschläge auf den Tisch gelegt, auf die die griechische Regierung nicht eingehen wollte.“

Weitere Reaktionen aus Belgien

Die belgische EU-Kommissarin für Arbeit und Soziales, die flämische Christdemokratin Marianne Thyssen (kl. Foto), sagte gegenüber der VRT zur späten Einigung mit den Griechen: „Die Mitgliedstaaten wollen solidarisch bleiben, doch sie wollen nicht endlos in ein bodenloses Fass investieren.“ Das es zu einem Abkommen zwischen der Eurozone und Griechenland kommen konnte, erfreut die belgische EU-Kommissarin, doch das Vertrauen zwischen den beiden Verhandlungspartnern sei noch lange nicht wiederhergestellt.

Die Vorsitzende der flämischen Grünen Meyrem Almaci (Groen) reagierte kurz und knapp auf diese Einigung: „Operation gelungen, Patient verstorben.“

Namhafte Volkswirte üben Kritik

Die beiden belgischen Volkswirte Paul de Grauwe (London School of Economics) und Koen Schoors (Universität Gent (UGent)) halten von der Einigung nichts. Ganz im Gegenteil. Sie kritisieren die Art und Weise, wie dieses Abkommen zustande kam und sehen keine Garantien für eine Neuordnung der Schulden in Griechenland.

Paul De Grauwe glaubt sogar, dass Europa „Griechenland strafen wollte“. Seit fünf Jahren würden die Einsparungen in Griechenland die dortige Wirtschaft zusammenbrechen lassen, während die Arbeitslosigkeit dramatisch ansteige. Und nun käme da noch eine Schippe drauf.

Koen Schoors begrüßt die Tatsache, dass ein Grexit vermieden werden konnte, doch er hält die Tatsache, dass Griechenland kurzfristig Bereiche in Höhe von 50 Mia. € an Staatseigentum privatisieren müsse, für „Unsinn“. Dies fördere die Unsicherheit des Landes weiter, denn der zwingende Verkauf von Staatseigentum könne in so kurzer Zeit nicht viel einbringen. Schoors kritisierte zudem, dass es bei den derzeit ergriffenen Maßnahmen in erster Linie einmal mehr um die Rettung von griechischen Banken gehe und wiedermal nicht um die Menschen in Griechenland selbst.