Samstagssteiks: Kritik an den ASTB-Lokführern

HR Rail, die Personalabteilung der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB und des Infrastrukturdienstleisters Infrabel, wird sich nicht mehr mit der kleinen und unabhängigen Lokführergewerkschaft ASTB an einen Tisch setzen. Das bedeutet, dass die ASTB-Mitglieder vom 19. Juli bis zum 29. August jeden Samstag streiken werden. Dies stößt weiter auf enorme Kritik.
ERIC HERCHAFT

In der vergangenen Woche waren Gespräche zwischen HR Rail und der ASTB ergebnislos verlaufen und die Lokführergewerkschaft kündigte daraufhin an, ab jetzt jeden Samstag die Arbeit niederlegen zu wollen.

Die ASTB, die nach eigenen Angaben rund ein Drittel der insgesamt 3.800 belgischen Lokomotivführer vertritt (allerdings will die Gewerkschaft der Bahn keine Mitgliederliste vorlegen) vertritt, fordert eine Reform der Prämiensysteme bei der Bahn und eine Jahresprämie von 4.000 € zusätzlich zum Jahresgehalt.

Damit zieht sich die ASTB den Zorn der offiziellen Eisenbahnergewerkschaften auf den Hals, denn diese wollen sich mit der NMBS/SNCB auf Verhandlungsbasis einigen. Die Gewerkschaften fordern ebenfalls eine Reform des Prämiensystems bei der Bahn, allerdings für alle Beschäftigten, also auch für die Zugschaffner oder für die Bahnverwaltung. Die traditionellen Gewerkschaften lehnen die Samstagsstreiks der ASTB denn auch rundweg ab.

Proteste folgen auch von Seiten der Bürgermeister der Küstengemeinden in Belgien, die an diesen Streiktagen an den folgenden Samstagen während den Sommerferien auf unzählige potentielle Besucher verzichten müssen. Sie richteten ein Protestschreiben an die ASTB.

10 bis 15 % der Tagestouristen an der belgischen Küste reisen mit der Bahn an und da völlig unsicher ist, ob oder wann Züge fahren werden, verzichten wohl viele auf einen Tagestrip ans Meer. Der Tourismussektor der Küste befürchtet Verluste von mehreren Millionen Euro durch die Streiks.