Verkehrsministerin legt Zukunftsplan der Bahn vor

Belgiens Verkehrsministerin Jacqueline Galant (MR - Foto) hat am Mittwochmorgen dem Parlament ihren Strategie-Plan für die Bahn der Zukunft vorgelegt. Nach eigenen Angaben ist ihr Plan eine strategische Vision, die die Zukunft der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB im Sinne der Fahrgäste und Pendler, der Eisenbahner und nicht zuletzt der Steuerzahler sichern soll.

Die frankophone liberale Verkehrsministerin will zunächst den enormen Schuldenberg der Bahn abbauen. Der Schuldenstand der NMBS/SNCB liegt bei etwa 4,3 Mia. € und jährlich kommen rund 200 Mio. € hinzu. Prestigeträchtige Bauprojekte wie die Bahnhöfe von Lüttich und dem gerade im Bau befindlichen Mons soll es in absehbarer Zeit nicht mehr geben.

Ein neuer Fachausschuss soll die Ausgaben bei der NMBS/SNCB-Holding und dem bahneigenen Infrastrukturdienstleister Infrabel ab Oktober 2015 kontrollieren und im Auge behalten, auch wenn Galant eigentlich den „Wasserkopf“ der Bahn und die vielen Gremien und Direktorien eigentlich abbauen wollte.

Doch dieser Ausschuss, hinter dem die Politik steht, soll dafür sorgen, so Galant, dass die Fahrgäste der Bahn immer im Fokus der Vorgehensweise bleiben. Ein weiteres Problem ist Preispolitik der Bahn. Die NMBS/SNCB gehört zu den günstigsten Bahnen in ganz Europa. Galant denkt dabei an eine flexible Preisgestaltung mit höheren Preisen zu Stoßzeiten und günstigeren Tarifen in den Tagesrandlagen.

Mehr Produktivität

Bundesverkehrsministerin Galant hat auch einiges mit dem Personal bzw. mit der Flexibilität und der Produktivität der Eisenbahner vor, ein Bereich, den die Gewerkschaften mit Argusaugen beobachten. Sie befürchten eine schleichende Privatisierung der Bahn. Laut Galant sollen die Mitarbeiter der Bahnholding und der Infrastruktursparte bis 2019 jährlich um 4 % produktiver werden.

Damit geht sie in dieser Hinsicht doppelt so weit, wie Bahnchef Jo Cornu, der ebenfalls die Produktivität der Eisenbahner nach oben kurbeln möchte. Doch Jacqueline Galant hat nach eigenen Aussagen nur ein Ziel vor Augen: Sie will bei der Bahn eine neue Dynamik schaffen; eine Dynamik, die in erster Linie für eine bessere Dienstleistung und nicht zuletzt für pünktlichere Züge sorgen soll.

Nicolas Maeterlinck