Weg frei für Siemens-Auftrag für die Bahn

Infrabel, der Infrastruktur-Dienstleister der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB, hat jetzt grünes Licht für die Vergabe eines Großauftrags an den deutschen Technologiekonzern Siemens erhalten. Siemens soll das europäische Sicherheitssystem ETCS auf dem belgischen Schienennetz nach vorne bringen. Die Klage eines Mitbewerbers gegen die Auftragsvergabe wurde jetzt verworfen.

Ende des vergangenen Jahres hatte Infrabel gemeinsam mit Siemens und dem belgischen Technologie-Unternehmen Fabricom einen Vertrag für die weitere Installation des europäischen Sicherheitssystems ETCS (European Train Control System) auf dem belgischen Schienennetz abgeschlossen. Doch gegen diesen Vertrag wurde eine Klage eingereicht.

Mitbewerber Alstom aus Frankreich, der in Charleroi (Prov. Hennegau) eine Niederlassung mit rund 1.000 Mitarbeitern unterhält, hatte Bedenken zu dieser Vertragsvergabe und erhob Einspruch, doch dieser Einspruch wurde abgelehnt. Damit steht das Kompetenzzentrum für das ECTS-System von Alstom in Belgien vor Problemen. Damit ist der Weg für Infrabel, Siemens und Fabricom für den weiteren Ausbau von ECTS in Belgien frei.

Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 510 Mio. €. Der gesamte ETCS-Materplan von Infrabel kostet bis zu 2,3 Mia. €. Bis 2022 soll das gesamte belgische Schienennetz mit diesem Sicherheitssystem ausgerüstet sein und auch alle Lokomotiven und andere Triebfahrzeuge müssen ECTS-fähig werden. Bisher sind lediglich 14 % bzw. 938 km der Gleise in Belgien auf dieses System umgerüstet worden.

ECTS

Das European Train Control System (ETCS) ist die Zugsicherungs- und Sicherheitskomponente des einheitlichen europäischen Eisenbahn-Verkehrsleitsystems ERTMS. Das System soll z.B. beim Überfahren von roten Signalen aktiv werden und in diesem Fall Zwangsbremsungen einleiten. Eine weitere ERTMS-Komponente, GSM-R, wird unter ETCS für den Datenfunk benutzt. ETCS soll langfristig die über 20 verschiedenen Zugsicherungssysteme in der Europäischen Union ablösen.

Das System wird gerne mit dem „Bologna-System“ zur Vereinheitlichung der Bildungsstandards in Europa verglichen. In Belgien wird dieses Zugsicherungssystem seit der Bahnkatastrophe von Buizingen (Fläm. Brabant) am 15. Februar 2010, das 18 Menschenleben forderte und Dutzende Verletzte, verschnellt installiert.