Europa braucht dringend eine politische Integration

Sollte sich Europa nicht zu einer weiteren politischen Integration entschließen können, sollte es lieber wieder auf die nationalen Währungen zurückgreifen. Das hat der Fraktionsführer der Liberalen im Europäischen Parlament, Guy Verhofstadt, gesagt. Er erklärte das in einem Interview im niederländischen Nachrichtenmagazin Nieuwsuur am gestrigen Samstag.

Verhofstadt hält das „Schauspiel“ der tagelangen Suche nach einer Lösung in der Griechenlandkrise von letzter Woche für eine traurige Angelegenheit.

„Genau so etwas müssen wir in der europäischen Politik vermeiden“, sagte Guy Verhofstadt gegenüber Nieuwsuur. „Solch mächtige Vereinbarungen der Finanzminister und Staats- und Regierungschefs, um ein Problem wie Griechenland zu lösen, funktionieren eigentlich in einer reinen Währungsunion nicht.

Was Europa nötig habe, sei eine echte Föderalregierung, unterstrich Verhofstadt in dem Interview. Man brauche also nicht weniger Europa, sondern mehr.

„Wir müssen den Menschen klar machen, dass es das eine oder das andere ist. So wie wir das derzeit machen, funktioniert das nicht. Wir sitzen zwischen zwei Stühlen und das ist keine komfortable Position. Wir brauchen entweder eine vollwertige Währungsunion mit einer politischen Union dahinter oder wir müssen zu den nationalen Währungen zurückkehren.“

„Ich stimme denen zu, die sagen, wenn das nicht funktioniert, dann kehrt doch einfach zu den nationalen Währungen zurück.“

Wie so eine Rückkehr zu den nationalen Währungen in die Praxis umgesetzt werden kann, hat Verhofstadt allerdings nicht verraten.