Vater Borlée: "Kann nichts beweisen, aber stelle mir Fragen"

Der Leichtathletiktrainer Jacques Borlée und seine belgischen Tornados wollen auf der 4-mal-400-Meter-Staffel der 15. Leichtathletik-Weltmeisterschaften vom 22. bis 30. August 2015 in Peking einen Platz im Finale. Im Finale der Großen (Olympischen Spiele, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften) ist Belgien seit den Olympischen Spielen 2008 kontinuierlich vom 7. Platz auf den 24. Platz der Weltrangliste zurückgefallen, so der Chef der belgischen Staffelläufer. "Da stellen sich doch Fragen, aber so ist das halt."
Jasper Jacobs

Belgien ist trotzdem europäischer Indoor-Meister (mit einem europäuschen Rekord im März in Prag) und Besitzer einer Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften der Staffelläufer vom Mai auf den Bahamas. Damals erzielte die Staffel auch einen belgischen Rekord (2:59.33). Die Leistungen würden keineswegs nachlassen, so Jacques Borlée, der Vater der drei schnellen Borlée-Brüder, Dylan, Jonathan und Kevin (kleines Foto), am Montag. Allerdings, fügt Jacques ironisch hinzu, sei wohl die Konkurrenz unglaublich.

"Ich habe keine Beweise, nichts. Aber erklären Sie mir Mal wie es möglich ist, dass 12 Karibik-Läufer auf 6 Amerikaner (wenn man die Investitionen der USA für den Sport kennt), 3 Afrikaner und 2 Asiaten an der Weltspitze kommen."

Zu einem Zeitpunkt, zu dem der Weltleichtathletikverband aufgrund einer ARD-Dokumentation über Doping in Russland und Kenia öffentlich mit Doping konfrontiert wird, plädiert Jacques Borlée für Nulltoleranz.

"Wir werden einen neuen Präsidenten des Weltleichtathletikverbandes haben. Man muss das Nulltoleranz-Prinzip anwenden, strenger mit den Sanktionen sein und eine vierjährige Suspendierung durchsetzen sowie die gewonnenen Prämien bei Doping zurückfordern. Wir, die sauberen Athleten und ich wiederhole, wir die sauberen Athleten wollen eine Veränderung!"

"ARD-Doku ist ein Albtraum für Präsidenten des Weltleichtathletikverbandes"

"Wir arbeiten seit Jahren hart und in außergewöhnlicher Weise und daneben sehen wir den Ausbruch einer ganzen Reihe von Athleten. Man muss Sanktionen verhängen."

"Ich vestehe, dass es in vielen Ländern, die arm sind, schwierig ist, massenweise Kontrollen durchzuführen und das Geld wird in andere Dinge gesteckt. In Jamaika haben 2014 zum Beispiel nur 105 Kontrollen statt gefunden. In armen Ländern können Sportler mit einer Prämie von 10.000 Dollar ihre Familie ernähren. Das entschuldigt zwar gar nichts, aber man versteht manche Dinge besser."

Doping sei ein Gesellschaftsphänomen, betont Jacques Borlée noch. Die Dokumentation der ARD sei ein Albtraum für den Präsidenten des Weltleichtathletikverbandes. Was zu tun bliebe, sei jedoch, dass man streng gegen Doping vorgehe!

"In Peking wird es Kontrollen geben. Man könnte vernünftigerweise denken, dass Jamaika, Trinidad und Tobago, die Bahamas und die Vereinigten Staaten vor uns sein werden. Auch Großbritannien, wenn man die Statistik zugrunde legt. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir vor ihnen liegen können."