Vater eines Dutroux-Opfers fordert Geld von Kindern des Mörders

Der Vater des Dutroux-Opfers Eefje Lambrecks hat die drei Kinder des Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux und seine Ex-Frau Michèle Martin vor Gericht geladen. Das schreibt die Zeitung Het Belang van Limburg. Jean Lambrecks kritisiert, dass Michelle Martin bewusst auf das Erbe ihrer Mutter verzichtet und es ihren Kindern geschenkt habe, um zu verhindern, dass das Geld an die Opfer gehe.

Lambrecks verlangt von den drei Dutroux-Kindern die Zahlung von Schadenersatz, zu dem Michelle Martin verurteilt worden war, den sie aber nicht bezahlen konnte.

Im Jahr 2000 starb die Mutter von Michelle Martin. Als einziges Kind hätte sie normalerwiese Recht auf das Erbe mit unter anderem einer Villa in Waterloo, Geld und einem hohen Aktienportfolio gehabt. Sie hat das Erbe jedoch verweigert und dadurch ist es an ihre Kinder gegangen. Die Erbschaft wird auf 200.000 Euro geschätzt.

Lambrecks zufolge habe sie das Erbe bewusst verweigert, um zu verhindern, dass das Gericht das Geld einfordert und damit Schadensersatzzahlungen an die Opfer der Verbrechen von Martin und Dutroux zahlt.

Das Gericht hatte Martin in der Tat sowohl zu einer Gefängnisstrafe - sie ist inzwischen unter Auflagen freigelassen worden - als auch zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 179.000 Euro verurteilt.

"Zu dem Zeitpunkt, zu dem Martin das Erbe ihrer Mutter ablehnte, wusste sie, dass sie an mich - und an die anderen Nebenkläger - einen größeren Schadensersatz hätte zahlen müssen. Das war klar, obwohl die Summe damals noch nicht feststand", betont Lambrecks in Het Belang van Limburg.

Er verklagt deshalb die beiden Söhen und die Tochter von Marc Dutroux und Michelle Martin und hofft damit, ein Teil des Geldes doch noch zu bekommen. Lambrecks wolle den Fall übrigens nicht aus finanziellen, sondern aus moralischen Gründen vor Gericht bringen, heißt es.

Der Fall Dutroux

Am 24. Juni 1995 wurden Julie und Mélissa - die ersten beiden Opfer der Dutroux -Bande - in der Gegend von Lüttich entführt. Die damals 8-jährigen Mädchen waren monatelang im Keller von Marc Dutroux in Marcinelle eingeschlossen, wo sie letztlich verhungert sind, u.a. weil die damalige Frau von Dutroux, Michelle Martin, ihnen nichts zu Essen gab.

Einige Monate nach Julie und Mélissa entführte die Dutroux-Bande auch die Freundinnen An Machal und Eefje Lambrecks. Auch sie sind letztlich gestorben, bevor Dutroux im August 1996 verhaftet wurde. Die letzten beiden Opfer, Sabine Dardenne und Laetitia Delhez, haben die Entführung und das Kellerverlies überlebt.

Die Art und Weise, mit der die Ermittlungen im Fall der verschwundenen Kinder geführt worden war, wurde scharf kritisiert. Die Kritik mündete in den Weißen Marsch in Brüssel. Als Folge des Falls Dutroux wurde unter anderem die Polizei reformiert und Child Focus gegründet, um besser gegen das Verschwinden und den Missbrauch von Kindern vorgehen zu können.

2012 ist Michelle Martin unter Auflagen freigelassen worden. Zu diesem Zeitpunkt war sie 16 Jahre im Gefängnis. Die Freilassung hatte viel Diskussionen zur Folge, vor allem auch unter den Hinterbliebenen der Opfer. Nachdem Martin zunächst in einem Kloster unterkommen konnte, hat sie vor einigen Monaten eine Bleibe auf einem Bauernhof bei Namur gefunden.