Fiskus in Belgien: Zu teuer und zu wenig Fachleute

Nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) beschäftigen sich in Belgien zu wenig Steuerkontrolleure oder -fahnder mit den Einnahmen von Großunternehmen. Zudem, so die OECD weiter, ist das System der Steuereintreibung in Belgien zu kostenintensiv und bringt zu wenig ein.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellt in ihrem aktuellen Bericht fest, dass sich in Belgien zu wenig Steuerfahnder und Steuerkontrolleure mit dem Geschäften von Großunternehmen beschäftigen. Der flämische Sozialist und Abgeordnete in der Ersten Kammer des belgischen Bundesparlaments, Peter Vanvelthoven (SP.A - kl. Foto), ist der Ansicht, dass dem Fiskus dadurch Steuereinahmen entgehen.

Zudem kritisiert er in diesem Zusammenhang, dass die internationalen Großunternehmen in Belgien zu wenig Steuern zahlen und dass Selbständige und mittelständische Unternehmer zu hoch belastet werden. Gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte er dazu, dass Belgien im europäischen Durchschnitt die kleinste Zahl an Steuerbeamten auf die Kontrolle von Großunternehmen ansetzt:

„Mich bestürzt die Feststellung, dass Belgien nur wenige Steuerbeamte auf große Unternehmen ansetzt, während wir gleichzeitig, wie erst letzte Woche deutlich wurde, eine sehr gute Verwaltung mit vielen Mitarbeitern haben. Meiner Ansicht nach liegt der Fokus hier falsch und richtet sich zu sehr auf den einfachen Steuerzahler und auf die kleinen und mittleren Betriebe. Andere Länder tun da mehr und holen dabei mehr heraus. Das geht dann um Millionen Steuergelder. Lasst unseren Fokus darauf richten. Ich glaube, dass wir diese OECD-Empfehlungen beherzigen sollten.“

Steuereinnahmen zu teuer bezahlt?

Von allen industrialisierten Ländern gehört Belgien im Bereich der Kosten, die aufgewendet werden müssen, um Steuern einzunehmen, zu den teuersten. Eine Übersicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) belaufen sich diese Unkosten beim belgischen Finanzamt auf 0,304 % des Brutto-Inlandsprodukts (BIP). Nur in Ungarn und in den Niederlanden wird noch mehr Geld für die Steuereintreibung aufgewendet.

Der belgische Steuerrechtsexperte Michel Maus (kl. Foto) ist denn auch der Ansicht, dass Belgien und seine Steuerbehörden hier einiges besser machen könnten: „Das alles zeigt, dass wir alle sehr viel Geld auf den Tisch legen müssen, damit der Fiskus funktionieren kann. Dem gegenüber stehen aber viel zu wenig steuerliche Einnahmen. Das ist eine Schieflage.“

Nach Ansicht der OECD liegen die Personalkosten bei den Steuerbehörden zu hoch. 2013 kam auf 440 Steuerzahler ein Steuerbeamter. Hinzu kommt noch, dass rund die Hälfte aller Mitarbeiter in den Steuerämtern älter als 50 Jahre ist. Steuerexperte Maus warnt in diesem Zusammenhang vor dem Verlust von Erfahrung, wenn diese Steuerprüfer in Rente gehen. Beide, sowohl die OECD, als auch Michel Maus, glauben, dass der belgische Fiskus mehr auf die Digitalisierung der Systeme setzen soll: „Weniger Beamte, die mit besseren Mitteln und fachgerechter ihre Arbeit verrichten können.“

Nicht zuletzt ist das belgische Steuersystem insgesamt zu kompliziert, so Michel Maus: „Die Gesetzgebung ist zu komplex. Das gilt auch für die Beamten. Sie müssen mehr Zeit in ihre einzelnen Kontrollen investieren, wodurch sie auf Jahresbasis zu wenig tun können. Das alles äußert sich in den vorliegenden Zahlen.“

Jasper Jacobs