"Piano & Co." im MIAT: 250 Jahre Pianos aus Belgien

Das Museum für Industrielle Archäologie und Textil (MIAT) in Gent zeigt noch bis zum 25. Oktober eine umfassende und sehenswerte Ausstellung über die Geschichte und die Entwicklung des Pianos in Belgien. „Piano & Co.“ beleuchtet nicht nur die 250jährige Geschichte dieses Instruments, sondern auch die der Pianomanufakturen in unserem Land.

„Piano & Co.“ ist wirklich eine wunderschöne Ausstellung. Das Museum für Industrielle Archäologie und Textil (MIAT) in Gent hat dazu Dutzende Pianos aus belgischer Herstellung u.a. aus den Sammlungen des Klavierbauers Chris Maene, des Privatsammlers Pieter Bouckaert und des Musikinstrumenten-Museums in Brüssel (MIM) zusammengetragen.

Rund 40 Instrumente vom ersten belgischen Piano aus dem Jahr 1776 bis hin zu E-Pianos aus unserer Zeit ist die gesamte Bandbreite dieses traditionsreichen Tasteninstruments zu sehen. Dabei bietet der Rahmen des MIAT, dass sein Zuhause in einer alten Baumwollspinnerei an der „Minnemeers“ am Kanalufer nördlich des historischen Stadtzentrums von Gent hat, einen besonderen Rahmen.

Wen man an ein Industriemuseum denkt, dann hat man Schwerindustrie vor Augen, oder passend zu Gent Textilfabriken. Doch auch die Herstellung von Instrumenten war (und ist) ein Industriezweig, der in Belgien zum Beispiel eine mittlerweile 250 Jahre alte Tradition vorweisen kann.

Die Ausstellung „Piano & Co.“ beweist dies anhand von historischen Fotos und Firmenschildern sowie von Tafeln und Texten in mehreren Sprachen und legt damit Wert auf diese Manufaktur, die ja doch genauso wichtig ist, die die Pianos selbst.

So bietet die Ausstellung auch Einblick in die Materialien, aus denen die Pianos hergestellt wurden und werden, zum Beispiel die verschiedenen Hölzer, die ja nicht unwesentlich zum Klang der Instrumente beitragen. Und es geht dabei auch um Design. Die Formen und Farben (nicht nur) der hiesigen Pianos veränderten sich quasi im Zuge der Architektur- und Designstile, wie Art Deco oder Jugendstil. Es gab Zeiten, in denen das Piano zum Standard der Bourgeoisie gehörte und doch wurden diese Instrumente in den „Produktionshochburgen“ Brüssel und Gent auch als Massenware hergestellt.

In den „Goldenen Zwanzigern“ erlebte diese Industrie nach dem Ersten Weltkrieg ihre letzte große Blüte - auch das erzählt die Ausstellung im MIAT. Doch danach kam die Konkurrenz der Jukeboxen, der Radios und der Plattenspieler und nach dem Zweiten Weltkrieg auch die des Fernsehens.

Heute ist der Großteil der Pianoindustrie nach Asien umgezogen, doch die Geschichte des Pianos in Belgien ist reichhaltig und lohnt einen Besuch in Gent auf jeden Fall. Und der Rest dieses wunderbaren Industriemuseums ist mindestens genauso interessant!

Info:

„Piano & Co. 250 Jahre belgische Piano-Industrie” läuft noch bis zum 25. Oktober im MIAT, im Museum für Industrielle Archäologie und Textil in Gent.

Adresse: MIAT, Minnemeers 9, 9000 Gent. Tel: 0032/(0)9/296 42 00. Internet: www.miat.gent.be