Trend: "Bitte lächeln! Der Chef schaut zu!“

Die belgische Kommission zum Schutz des Privatlebens hat im vergangenen Jahr rund 1.200 Anfragen für die Installation von Kameras in Unternehmen bearbeitet. Das ist ein Anstieg um 85 % gegenüber 2013 und gleichzeitig auch ein Rekord.

Schon vor zwei Jahren erlebten die Anfragen für Installationen von Überwachungskameras in belgischen Unternehmen einen regelrechten Boom mit einem Anstieg um 36 % gegenüber dem Vorjahr, doch die Zahl der Anträge stieg letztes Jahr doch auffallend hoch. Die meisten Arbeitgeber, die Kameras in ihren Unternehmen platzieren wollen, versuchen damit, sich gegen Diebstähle von ihren Mitarbeitern zu schützen. Christine Mattheuws von der Neutralen Gewerkschaft der Selbständigen (NSZ) sagte gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass diese hohe Zahl nicht unbedingt überraschend kommt:

„Die spektakuläre Zunahme der Nutzung von Kameras am Arbeitsplatz wundert und nicht. Bei eigenen Recherchen ergab sich, dass gut die Hälfte aller Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren mit Diebstahl durch das eigene Personal konfrontiert wurde. Diebstahl durch die eigenen Arbeitnehmer betrifft etwa 40 % aller Diebstähle in Unternehmen und der entstehende Schaden liegt 14 Mal höher als bei von Externen begangenen Diebstählen. Dies nur, weil das eigene Personal über einen längeren Zeitraum handeln kann.“

Nach Ansicht de NSZ können solche Kameras auch die Entlassung von Mitarbeitern fördern. Bilder von Überwachungskameras kommen langen Diskussionen zuvor, wenn Fehlverhalten von Personalmitgliedern festgestellt und so bewiesen werden kann. Allerdings rät die Selbständigen-Gewerkschaft Arbeitnehmern, die Kameras in ihren Firmengebäuden installieren wollen, dies ihren Mitarbeiten auch mitzuteilen und nicht permanent zu filmen. Die belgische Privacy-Kommission erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass das Melden von Überwachungskameras in Geschäftslokalen, Werkshallen oder Büros gesetzlich verpflichtet ist. Wer sich daran nicht halte, der verliere die Beweiskraft seiner Bilder vor Gericht.