Thalys-Attentat: Justiz sucht den belgischen Link

Die belgische Justiz sucht nach dem verhinderten Attentat auf einen Thalys-Zug zwischen Brüssel und Paris fieberhaft nach eventuellen Helfern des Verdächtigen in unserem Land. Die föderale Staatsanwaltschaft in Brüssel geht nicht davon aus, dass es sich bei dem Verhafteten um einen Einzeltäter handelt. Zwei Fragen stehen im Raum: Hat er Verbindungen zu radikalen Organisationen und woher kommen seine Waffen?

Sein Vater beschreibt Ayoub El-Khazzani als einen hart arbeitenden jungen Mann, der nie über Politik sprach sondern nur über Fußball und Angeln. Doch mittlerweile steht fest, dass sich der verhinderte Attentäter des Thalys-Zuges mehrmals im Ausland aufgehalten hat, u.a. in IS-Gebieten, in Spanien und auch in Berlin.

Medienberichten zufolge haben die spanischen Behörden unser Land bereits zweimal vor dem verhinderten Attentäter gewarnt, doch zunächst reagierte das belgische Innenministerium auf diese Meldung mit den Worten :"Wir können nicht jeden islamistischen Kämpfer rund um die Uhr beobachten."

Die Bundestaatsanwaltschaft in Brüssel sucht aber jetzt fieberhalt nach eventuellen Helfershelfern in Belgien, denn sie geht nicht von der Theorie eines Einzeltäters aus. Der junge Mann hat Familie und Freunde in Brüssel und damit mögliche Kontaktpunkte und im vergangenen Jahr war er eine Zeit lang in der Gegend von Antwerpen unterwegs.

Nicht zuletzt kursierte in der vergangenen Woche eine Botschaft eines aus unserem Land stammenden Syrienkämpfers, der „Anschläge gegen alle Belgier“ ankündigte. Und auch die Frage, woher das riesige Waffenarsenal stammte, das Ayoub El-Khazzani mit sich führte, beschäftigt die Behörden in unserem Land. Er selbst behauptete, er habe als Obdachloser am Brüsseler Süd/Midi-Bahnhof gelebt und die Tasche mit den Waffen in einem Park in der Nähe des Bahnhofs  gefunden.

Belgiens Innenminister Jan Jambon (N-VA) will in diesem Zusammenhang Maßnahmen ergreifen, um den illegalen Waffenhandel in unserem Land zu begegnen. Die internationale Presse berichtet nicht erst seit Freitag von Brüssel als Drehscheibe für den illegalen Handel mit Waffen aller Art. Gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte Innenminister Jambon, dass Brüssel durchaus eine Drehscheibe dafür sein könnte:

„Brüssel scheint in der Tat eine Drehscheibe im internationalen Waffenhandel zu sein. Das sind vor allem Waffen aus Osteuropa. Seit es dort etwas ruhiger geworden ist, sind viele Waffen im Umlauf und die finden offenbar leicht ihren Weg nach Brüssel.“ Jambon gab auch an, er habe diese Problematik bereits mit Bundesjustizminister Koen Geens (CD&V) besprochen und erste Initiativen gegen diesen Waffenhandel seien bereits in die Wege geleitet worden.

Schengen-Verträge eingrenzen?

Die Thalys-Züge verbinden inzwischen viele Großstädte in Westeuropa miteinander. Der Bahnhof Brüssel Süd/Midi (Foto oben) ist dabei eine Drehscheibe, denn von hier aus fahren diese Züge nach Paris und Südfrankreich, in die Niederlande und auch nach Deutschland (Aachen, Köln und Essen). Seit Freitag werden diese internationalen Züge in Belgien von der Polizei bewacht, doch es werden stets mehr Stimmen laut, beim Thalys so vorzugehen, wie auch beim Eurostar in Richtung London. Dort wird eingecheckt, wie im Flugzeug mit Passkontrolle, Ticketüberprüfung und Metalldetektor für Reisende und Gepäck.

Aber, dabei handelt es sich um Vorsichtsmaßnahmen der Briten, die nicht zum so genannten Schengen-Raum gehören. Die Schengen-Verträge garantieren den freien Reiseverkehr in insgesamt 26 europäischen Ländern. Doch strengere Grenzkontrollen sind innerhalb der Schengen-Zone möglich, ohne gleich die Schengen-Verträge abzuändern, sagt der belgische Professor für europäisches Recht, Stefaan Van den Bogaert: „Die wichtigste Möglichkeit, die der Vertrag bietet, ist die Tatsache, dass ein Mitgliedsland mit ernsthafter Bedrohung der öffentlichen Ordnung oder der inneren Sicherheit konfrontiert wird. Damit kann dieses Mitgliedsland zeitlich begrenzt zu einer Wiedereinführung der Grenzkontrollen an seinen Binnengrenzen übergehen. Das ist der Ansatz, den man in diesem Augenblick in Erwägung ziehen könnte.“

Auch Belgiens Premierminister Charles Michel (MR) fordert in Zusammenhang mit dem Thalys-Vorfall, die Personenkontrollen an den Schengen-Grenzen und innerhalb dieser Zone zu verstärken.