Illegaler Waffenhandel in Belgien unterschätzt?

Nach Ansicht des Flämischen Friedensinstituts schenkt die belgische Polizei dem illegalen Waffenhandel in unserem Land zu wenig Beachtung. Aus einer Studie des Instituts, das u.a. den Waffenbesitz in Belgien analysiert, ist ersichtlich, dass viele Waffen aus den früheren Ostblockländern nach Belgien fließen. Hierzulande werden allerdings auch nicht selten Waffen gestohlen.

Nach dem vereitelten Anschlag auf einen Thalys-Zug auf dem Weg von Brüssel nach Paris Ende der vergangenen Woche richtet sich das Augenmerk einmal mehr in Richtung Belgien und belgische Hauptstadt. Vor allem Brüssel gilt als eine internationale Drehscheibe für den illegalen Handel mit Waffen. Nach Ansicht des Flämischen Friedensinstituts genießt dieses Thema bei Polizei und Justiz in Belgien keine besondere Priorität, obschon Belgien über ein gutes Waffengesetz verfügt.

„Waffen sind bei Ermittlungen in Belgien nur ein sekundäres Thema. Die Ermittler beschäftigen sich vornehmlich mit den Tätern und deren Motiven“, sagte Nils Duquet vom Friedensinstitut. Nach Ansicht von Duquet sollte sich die Polizei allerdings häufiger ein Bild von den Waffen machen, mit denen Straftaten begangen werden: „Aber derzeit sind selbst keine verlässlichen Zahlen verfügbar. Die Registrierung von beschlagnahmten Waffen verläuft mangelhaft und die zur Verfügung stehenden Resultate werden nicht analysiert. Doch eine vernünftige Vorgehensweise kann nur aufgebaut werden, wenn man ein vollständiges Bild hat.“

Neben knappen Finanzmitteln ist ein weitere Grund des Übels lau Friedensinstitut aber auch eine mangelnde Koordination auf internationaler Ebene.

Waffen kommen aus dem Ostblock

Nach Studien des Flämischen Friedensinstituts stammen die meisten in Belgien illegal gehandelten Waffen aus den früheren Ostblockstaaten. Nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts sind dort viele Waffen „frei“ geworden und wurden weggeschafft. Kriminelle Kreise verscherbelten diese Waffen für wenig Geld in den Westen. Nach Polizeiangaben haben organisierte kriminelle Banden aus Albanien einen Teil dieses Geschäfts in Brüssel in die Hand genommen und auch kriminelle Motorradrocker spielen dabei eine Rolle. Nicht zuletzt soll ein Teil des illegalen hiesigen Waffenhandels über das so genannte „Türsteher-Milieu“ laufen.

Illegaler Waffenhandel soll aber auch international über das Internet und über Postpakete abgewickelt werden. Viele in den illegalen Waffenhandel in Belgien geschleuste Waffen sollen aber auch aus Diebstählen stammen, denn hierzulande werden offenbar auffallend viele Handfeuerwaffen gestohlen. Statistiken der Polizei belegen, dass jährlich in Belgien 1.600 bis 2.100 Fälle von Waffen oder Sprengstoff registriert werden.