Flüchtlinge: Sozialpartner reagieren auf die Krise

Inzwischen nehmen die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen in Belgien Stellung zum Thema Flüchtlingskrise. Während die Dritte Welt- und die Hilfsverbände längst aktiv sind und sich auch stetig mehr „normale“ Bürger helfend anbieten, blieb es sonst recht ruhig im Land. Doch nun haben sich weitere Akteure zu Wort gemeldet.

Premierminister Charles Michel (MR) sagte noch am Wochenende, dass die Asylkrise in Belgien noch schwieriger würde, als bisher angenommen: „Wir haben tausende Aufnahmeplätze geschaffen und die Verwaltung verstärkt. In den kommenden Monaten wird es aber noch schwieriger werden.“ Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD), die in der vergangenen Legislaturperiode Staatssekretärin für Asyl und Einwanderung war, gab zu verstehen, dass der Zustrom von Flüchtlingen die soziale Sicherheit im Lande gefährden würde, wenn man keine Arbeit für die Neuankömmlinge finden würde.

Dies jedoch brachte Marc Leemans (Foto), den Vorsitzenden der christlichen Gewerkschaft ACV auf den Plan. Leemans gab an, dass diese Befürchtung lediglich aus der politischen Ecke komme. Im VRT-TV-Wirtschaftsmagazin „Der freie Markt“ sagte Leemans am Sonntag dazu: „Es liegen einige Maßnahmen vor, durch die die Politik auf die Probe gestellt wird. Doch das hat mit der Flüchtlingskrise nichts zu tun.“ Aber auch die christliche Gewerkschaft ist der Ansicht, dass die Flüchtlinge so schnell wie möglich Arbeit finden sollten.

Und dem pflichtete Pieter Timmermans (kl. Foto), der Vorsitzende des belgischen Arbeitgeberverbandes VBO bei. Sein Verband erhalte ständig Anfragen von angeschlossenen Mitgliedern, die Flüchtlingen Hilfe, sprich Arbeit anbieten wollen, so Timmermans am Wochenende gegenüber der frankophonen Tageszeitung Le Soir.

Um diesen Anfragen und der weiteren Vorgehensweise eine Struktur geben zu können, plädiert der VBO für eine Konferenz zwischen Arbeitgebern und Fachleuten für Asyl und Einwanderung.

Die Arbeitgeber lasse die Flüchtlingskrise keineswegs kalt, so Timmermans gegenüber Le Soir: „Uns erreichten in den vergangenen Tagen einige Anfragen aus Unternehmen und Sektoren zu dem, was sie machen und wie sie helfen können.“ Doch hier sei ein rationales Vorgehen gefragt: „Anstelle von hier allerlei Vorschläge zu machen, die dann doch nicht durchführbar sind, wollen wir aufzeigen, was wirklich getan werden kann und was sowohl nützlich, als auch umsetzbar und legal ist.“

Flandern: Unternehmen werben an

Nicht zuletzt gibt alleine ein Drittel der mittelständischen Unternehmen im belgischen Bundesland Flandern an, noch im laufenden Jahr neues Personal anzuwerben. Unter den Flüchtlingen aus der arabischen Welt, z.B. aus Syrien und aus dem Irak, sind sehr gut ausgebildete Menschen zu finden. Diese können Lücken füllen, für die der hiesige Arbeitmarkt keine geeigneten Kandidaten bieten kann.