Regionale Unterschiede bei der Einbürgerung

In der Frage der Einbürgerung von Einwanderern in Belgien arbeiten die verschiedenen Regionen des Landes sehr unterschiedlich. In Flandern sind Integrationsprogramme verpflichtet, in Wallonien herrscht das Prinzip der Freiwilligkeit. In der Region Brüssel-Hauptstadt liegt hingegen einiges im Argen.

In Flandern sind Neuankömmlinge aus Nicht-EU-Ländern dazu verpflichtet, um Zuge ihres Asylantrags einem Integrationsprogramm zu folgen. Dieser 18 Monate lang dauernde Parcours beinhaltet Kurse in Gesellschaftskunde und auch ein Schnellkurs, um die Landessprache Niederländisch zu erlernen. Zwischendurch kommt es sogar zu Treffen mit flämischen Schülern oder Studenten, um austauschen zu können.

Am Ende dieses Programms, das seit 11 Jahren erfolgreich läuft, wird den Einwanderern ein Abschlusszeugnis ausgestellt, das bei der Suche nach Arbeit und Wohnung helfen kann und das eventuell sogar nützlich sein kann, wenn die Betroffenen die belgische Staatsangehörigkeit erlangen wollen.

In Wallonien hingegen können sich Asylbewerber freiwillig bei den lokalen Integrationszentren melden, um an einem so genannten „Empfangs-Trajekt“ teilzunehmen. Dieses wallonische Projekt war lange kein offizielles Integrationsprogramm und die Diplome, die am Ende der Kursreihe ausgehändigt wurden, fanden beim Versuch, die hiesige Staatsangehörigkeit zu erwerben, keine Anerkennung. Erst seit einem Jahr ist das Modul in verschiedenen Bereichen verpflichtet. An der Nicht-Anerkennung der Abschlüsse bei Anträgen auf Erlangen der hiesigen Nationalität ändert das aber (noch) nichts.

Und in Brüssel?

In der Region Brüssel-Hauptstadt folgen die niederländisch-sprachigen Verwaltungsinstanzen der Vorgehensweise des belgischen Bundeslandes Flandern. Auf der frankophonen Seite allerdings besteht derzeit noch kein Projekt, das dem flämischen, bzw. dem niederländisch-sprachigen Beispiel folgt. Hier orientiert man sich zwar am flämischen Vorbild, doch offiziell ist hier gar nichts. Antragstellern bleibt nichts anderes übrig, als einem niederländisch-sprachigen Parcours zu folgen.