Erdwärme: Flandern setzt Probebohrungen an

Am Dienstag haben in Mol im Antwerpener Kempenland die ersten Probebohrungen zum späteren Bau eines Erdwärme-Kraftwerks begonnen. Bei der Gewinnung von Erdwärme oder Geothermie zur Energieversorgung wird warmes Wasser aus dem kilometertiefen und heißen Inneren der Erde gewonnen und nach Gebrauch in einem geschlossenen Kreislauf wieder zurückgeführt.
Das Kempenland bei Antwerpen eigenet sich durch seine Bodenbeschaffenheit offenbar für Geothermie

Hinter den Plänen zum Bau einer Erdwärme-Zentrale steht die Idee, in Flandern Industrieanlagen oder auch Wohngebiete zu heizen. Mit der Umsetzung der Idee wurde die „Flämische Einrichtung für Technologische Forschung“, kurz VITO, beauftragt.

VITO nahm jetzt in Mol im Kempenland bei Antwerpen einen Bohrturm in Betrieb, der bis zu 4 km tief in die Erde bohren wird. In einer ersten Phase will man sich vergewissern, dass sich die Beschaffenheit der Erde in dieser Tiefe und das dort zu findende warme Grundwasser für die Einrichtung eines Kraftwerks eignen. Zuerst soll es aber mindestens rund drei Monate lang dauern, bis der Turm seine geplante Bohrtiefe von 4 km erreicht.

Bis Oktober 2016 will man versuchen, rund 15.000 Haushalte in den Anliegergemeinden Mol und Dessel mit Erdwärme zu versorgen. Dafür wird VITO mit einer Investitionssumme von 22 Mio. € ausgestattet.

Flanderns Landesenergieministerin Annemie Turtelboom (Open VLD - kl. Foto) glaubt an das Potential der Erdwärme, wie sie gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen sagte. Anfang des Jahres besuchte die Ministerin noch eine Geothermie-Zentrale im deutschen Bundesland Bayern: „Die Wärme unter unseren Füßen kann uns permanent mit Heizung und auch mit Elektrizität versorgen. (…)

Erdwärme ist eine Quelle von erneuerbarer Energie, die einen Vorteil hat, den weder die Sonnen-, noch die Windenergie vorweisen kann: Die Gewinnung ist konstant und nicht von den Wetterumständen oder von der Tageszeit abhängig.“ Und umweltfreundlich ist diese Energiequelle ebenfalls, weil sie keine schädlichen Rückstände hinterlässt.

Jasper Jacobs

Privatwirtschaft und Aussichten

So richtig interessant wird das Ganze aber erst, wenn sich die Privatwirtschaft für diesen Bereich der Energiegewinnung begeistern lässt und ebenfalls darin investiert. Pionierarbeit leistet hier Janssen Pharmaceutica. Der Pharmakonzern unterhält in Beers, ebenfalls im Antwerpener Kempenland, eine Produktionsstätte, die sich ab 2017 selbst mit Erdwärme versorgen soll.

VITO schätzt, dass in absehbarer Zeit rund 7 % der Energieversorgung in Belgien aus Erdwärme gewonnen werden kann. Doch nur das Kempenland, einige Gegenden in der ehemaligen Bergbauregion in der flämischen Provinz Limburg (wo in zwei Jahren die ersten Probebohrungen stattfinden sollen) und die Region um Mons im wallonischen Hennegau eignen sich aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit für Geothermie.