Römische Villa in Dilbeek ausgegraben

In der Gemeinde Dilbeek in der Provinz Flämisch-Brabant konnten die fast vollständig erhaltenen Fundamente einer römischen Villa freigelegt werden. Das Gelände, dass sich auf einem Acker befindet, ist etwa 5,5 ha groß. Die Ausgrabung ist in Flandern einmalig, weil die Anlagen von Villen aus der Römerzeit hier nur selten erhalten blieben, bzw. nur selten erforscht wurden.

Die ersten Hinweise auf die Villa in Dilbeek wurden erst vor einigen Monaten entdeckt, doch die weiteren Ausgrabungen auf einer Mähwiese im Ortsteil Wolsemveld legten die Fundamente von nicht weniger als sechs steinernen Gebäuden nur 40 cm unter der Erde frei. Angesichts von noch nicht völlig verrotteten Holzpfählen konnte auch festgestellt werden, dass dort zur Römerzeit sieben bis acht hölzerne Gebäude gestanden haben müssen. Nicht zuletzt war das gesamte A real von einem Wassergraben umgeben.

Vermutlich handelt es sich bei der Anlage um eine so genannte „villa rustica“, eine luxuriöse landwirtschaftliche Anlage, die wohl aus der Zeit des ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus stammen könnte, wie Joost Van Liefferinge von der regionalen Nachrichtenwebseite „Persinfo.be“ für Brüssel und Flämisch-Brabant dazu meldet. Am höchsten Punkt der Anlage befand sich das 30 m lange Haupthaus und schräg darunter lagen zwei Nebengebäude. Im Tal befanden sich die Holzhäuser und landwirtschaftliche Bauten.

In der Mitte des Areals gruben die Archäologen einen 12 m tiefen aus Steinen errichteten Brunnen (Foto). Wahrscheinlich wurden in den landwirtschaftlichen Anlagen des Areals Lebensmittel produziert, die in den umliegenden Niederlassungen verkauft wurden. Dort waren zu dieser Zeit schon Städte entstanden, wie z.B. die aus einer römischen Niederlassung entstandene Gemeinde Asse.

Reicher Besitzer

Die Archäologen fanden heraus, dass der Besitzer der Villa wohlhabend gewesen sein muss. Das ist nicht nur aus dem Umfang der Anlage ersichtlich, sondern auch durch die Art der Funde, die dort gemacht werden konnten.

So wurden goldene, silberne und bronzene Münzen ausgegraben und man fand eine bemalte Maske, wie sie damals Schauspieler beim Theater trugen. Weitere Funde lassen darauf schließen, dass auf dem Gelände nicht nur landwirtschaftlich gearbeitet wurde, sondern dass dort auch Metall verarbeitet und Kunstgegenstände hergestellt wurden.

Die Ausgrabungen in Dilbeek lassen darauf schließen, dass das römische Leben in der Umgebung der heutigen belgischen Hauptstadt Brüssel wesentlich umfassender war, als bisher angenommen. Das beweisen auch kürzlich erst entdeckte Kaimauern in einem heute trockengelegenen Arm der Zenne in der Nähe des Brüsseler Stadtzentrums und in der Umgebung des Anneessensplatzes gefundene römische Geldstücke.