Sparpläne der Bahn: Jobs am Bau in Gefahr?

Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB muss sparen und zwar drastisch. Alleine in der laufenden Regierungsperiode soll die Bahn rund eine halbe Milliarde Euro einsparen. Dies bringt auch das Stornieren von Infrastruktur- und anderen Bauplänen mit sich. Viele Baufirmen bangen jetzt um ihre Aufträge, wie in einem offenen Brief an die Entscheidungsträger zu lesen ist.

Nach einer Meldung der Wirtschaftszeitungen De Tijd in Flandern und L’Echo im frankophonen Belgien kosten die Sparmaßnahmen bei der belgischen Eisenbahn der Bauwirtschaft auf absehbare Zeit hunderte Arbeitsplätze. Der Verband der belgischen Bauunternehmer richtet in diesem Zusammenhang einen offenen Brief an Bundesverkehrsministerin Jacqueline Galant (MR), in dem er vor dem Verlust von hunderten Jobs in seiner Branche warnt. Alleine im vergangenen Jahr sei am (Bahn)Bau schon jeder 10. Arbeitsplatz gestrichen worden, heißt es in dem Brief an die Ministerin.

Im Bereich der belgischen Eisenbahn soll noch in dieser Legislaturperiode eine Summe von 663 Mio. € eingespart werden. In unserem Land sind rund 20 Bauunternehmen aktiv, die sich auf das Bahnfach spezialisiert haben. Die meisten der betroffenen Baufirmen bestreiten bis zu 70 % ihres jährlichen Umsatzes über Aufträge von Seiten der Bahnholding, speziell über den Bahnnetz- und Infrastrukturbetreiber Infrabel. Alleine hier sollen 150 Mio. € eingespart werden und zwar über Kürzungen bei Investitionen.

Marc Dillen, Geschäftsführer der belgischen Bau-Konföderation, sagte gegenüber De Tijd und L’Echo, dass der auf Bahnbau spezialisierte Sektor direkt 1.500 Arbeitnehmer beschäftige und indirekt noch einmal so viele Arbeiter. Hunderte dieser Stellen seien nun in Gefahr, so Dillen. Der Appell richtet sich auch an den CEO von Infrabel, Luc Lallemand.

Ein Grund für die Ausbleibende Klarheit über die Art und die Quantität der fälligen Auftragsvergaben ist aber auch eine Uneinigkeit innerhalb der Bahngesellschaft. Bahnchef Jo Cornu und Infrabel-CEO Lallemand können sich offenbar nicht auf einen gemeinsamen Unternehmensplan und auf entsprechende Kostenaufteilungen einigen. Bei Verkehrsministerin Galant hieß es dazu, sie wolle erst Ordnung in die Bahngesellschaft bringen, bevor es verbindliche Aussagen in Bezug auf neue Investitionen gebe, so die Wirtschaftsblätter.