Doch kein Energieatoll vor der Nordseeküste?

Das Projekt, vor dem Küstenbadeort De Haan ein Energieatoll zu errichten, wird nicht weiter verfolgt. Belgiens Staatssekretär für die Belange der Nordsee, Bart Tommelein (Open VLD - kl. Foto) wird die Bundesregierung darum bitten, keine Konzession für ein solches Vorhaben zu erteilen. Der flämische Liberale Tommelein fürchtet, dass das Projekt nicht wirtschaftlich sein kann.

Tommeleins Amtsvorgänger, der flämische Sozialist und heutige Bürgermeister von Ostende, Johan Vande Lanotte (SP.A), hatte das Projekt seinerzeit gefördert. Demnach sollte etwa 5 km vor dem Strand von De Haan ein Energieatoll gebaut werden, in dem überschüssige Elektrizität aus den Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee gespeichert werden sollte. Diese Reserve sollte bei Stromknappheit oder bei Belastungsspitzen im Elektrizitätsnetz genutzt werden.

Das Energieatoll war ein Prestigeobjekt des früheren Nordsee-Staatssekretärs Vande Lanotte und zunächst stand dessen Nachfolger Tommelein auch hinter der Idee. Doch mittlerweile ist der aktuelle Staatssekretär der Ansicht, dass dieses Projekt nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. Deshalb will er die Kollegen seiner Mitte-Rechts-Regierung darum bitten, für dieses Vorhaben keine Konzession(en) zu erteilen.

Gegenüber dem VRT-Radio 2-Regionalprogramm Westflandern sagte Tommelein dazu: „Eine der Bedingungen war die wirtschaftliche Machbarkeit und da hat sich in den vergangenen Monaten ergeben, dass dies ein sehr schwere Aufgabe sein wird. Dabei handelt es sich um eine sehr hohe Investition von mehr als einer Milliarde Euro. Wenn die Bereitschaft, diese Investition zurückzuverdienen, nicht besteht, ist das Projekt nicht rentabel.“ Diese Rechnung will Tommelein nicht an die Stromproduzenten und an die Verbraucher weiterreichen.

Jonas Roosens

Mit oder ohne Bundesregierung?

Das Dossier zum Energieatoll vor der Nordseeküste liegt nicht nur bei Staatssekretär Tommelein auf dem Tisch sondern auch bei Bundesenergieministerin Christine Marghem (MR - kl. Foto). Diese hat nach Aussagen von Staatssekretär Tommelein bis heute nicht belegen können, dass dieses Projekt von strategischem Belang sei.

Wenn die Regierung in Brüssel das Energieatoll haben wolle, dann sei das eine andere Sache, denn dann würden Zuschüsse fließen (was allerdings in der Projektbeschreibung nicht vorgesehen ist). Ohne Zuschüsse scheint das Projekt aber auf keinen Fall wirklich wirtschaftlich rentabel sein zu können.

Jasper Jacobs