Trotz Dieselskandal: Audi Belgien kann mit Staatshilfen rechnen

Die belgische Regierung hat 100 Millionen Euro mobilisiert, um das neue elektrische Modell von Audi in die Brüsseler Vorst-Fabrik zu holen. Es hadelt sich um Hilfen wie niedrigere Arbeitgeberbeiträge und Steuervorteile.

Das ist notwendig, denn die Konkurrenz ist groß, betont Finanzminister Johan Van Overtveldt.

"Audi wird mit einem sehr großen Kostenunterschied zwischen Belgien, Spanien und Ungarn konfrontiert - die drei Länder, die für die Investition in Frage kommen. Es handelt sich um einen sehr großen Lohnkostenunterschied, der sogar die Unterschiede in der Arbeitsproduktivität betrifft. Und wir bemühen uns in Absprache mit der belgischen Niederlassung, zu einem gemeinschaftlichen Vorgehen zu kommen, das dazu führt, dass es für Audi doch weiterhin verlockend ist, in Belgien zu bleiben."

In Vorst wird derzeit der A1 hergestellt, aber die Produktion läuft Ende 2017 aus. Die Fabrik hofft, dass sie ab 2018 die elektrische Modellreihe bauen darf.

Der Mutterkonzern von Audi, Volkswagen, steht aktuell in der Kritik. Mit Volkswagen hat mindestens ein Hersteller Abgaswerte manipuliert.

Das dürfe jedoch die Wahl der Staatshilfen für Audi Vorst nicht beeinflussen, sagte Minister Van Overtveldt auch noch in der VRT: "Was im Bereich des Diesel-Gates passiert ist, ist inakzeptabel. Es handelt sich hier auch um einen elektrischen Prototypen von Audi. Im Bereich von Umweltauswirkungen von Autos sprechen wir hier über etwas, das bezüglich der Autos, die heute herumfahren, einen großen Unterschied ausmacht. Und es handelt sich um 2.000 Jobs direkt bei Audi und 6.000 indirekt. Wir müssen hiermit sehr ernsthaft umgehen."

Am gestrigen Donnerstag war bekannt geworden, dass Volkswagen nicht nur in den US, sondern auch in Europa Software in seine Autos eingebaut hat, die bei Tests weniger Ausstoß anzeigen als im Verkehr. Die Stiftung Warentest ('Test-Aankoop') fordert jetzt mehr Klarheit.

Ivo Mechels von der Stiftung Warentest sagte in der VRT: "Um den Menschen helfen zu können und um die Verbraucher zu unterstützen, müssen wir erst wissen, um welche Marken und weche Modelle der Marken es geht - auch über welche Baujahre und das wissen wir derzeit nicht. Deshalb der Brief an Volkswagen in Belgien und in Deutschland und das Schreiben an Minister Peeters und das Wirtschaftsministerium."

Sollte sich herausstellen, dass auch in Belgien Kunden betrogen worden sind, will 'Test-Aankoop' gerichtliche Schritte einleiten.

Nach dem Abgas-Skandal bei Volkswagen wird nun auch BMW verdächtigt, Autos manipuliert zu haben, um bei Tests besser abzuschneiden. So berichtet die Fachzeitschrift „Auto Bild" an diesem 25. September, dass BMW-Dieselfahrzeuge bei Straßentests des International Council on Clean Transportation (ICCT) "auffällige Stickstoffoxidwerte" produziert hätten. Der BMW X3 xDrive 20d habe zum Beispiel die europäische Abgasnorm um mehr als das Elffache überschritten, heißt es.