MIAT: Industriemuseum in alter Baumwollspinnerei

In fast jeder großen Stadt in Flandern, auch in Gent, locken historische Zentren mit viel Geschichte, spektakulären Museen und prächtiger Architektur. Doch wer genauer hinschaut und den Mut hat, als Tourist das Stadtzentrum zu verlassen, der entdeckt die oft versteckten Perlen. In Gent ist das MIAT, das Museum für Industrielle Archäologie, Arbeit und Textil eine solche Perle. Es erzählt nicht mehr, aber auch nicht weniger als die hochinteressante Industriegeschichte dieser Stadt und ihrer Menschen.

Das MIAT liegt am nördlichen Zipfel des Genter Stadtzentrums am Ufer der Leie in der Minnemeers-Straße und befindet sich in der alten Baumwollspinnerei der Stadt. Das Backsteingebäude mit seiner gusseisernen Statik und seinen großen Fenstern entstand 1905 im so genannten „Manchester-Stil“ und wurde vom traditionsreichen Textilunternehmen Desmet-Guequier betrieben - eine Firma, die bereits seit 1813 in diesem Bereich tätig war.

Die beeindruckende Sammlung des MIAT wird auf mehreren Stockwerken gezeigt und betrifft bei weitem nicht nur die Textilindustrie. So zeigt das Haus neben allen Maschinen, die zur Baumwollspinnerei gebraucht wurden, auch eine Sammlung an historischen Druckmaschinen, ein Sammelsurium an Alltagsgegenständen aus dem Leben der Arbeiter und ihrer Familien, die Entwicklung der Technologie schlechthin und auch die der Sozialgeschichte.

Neben allem Stolz auf den Fortschritt verhehlt das MIAT aber nicht, unter welchen Umständen das Arbeitsvolk Anfangs der industriellen Revolution leben musste. So weisen Darstellungen mit lebensgroßen Puppen an historischen Originalmaschinen auch auf die Diskrepanz zwischen „Herren“ und fast versklavten Arbeitern hin und auch das Thema Kinderarbeit wird in Szene gesetzt.

Alltägliches

Doch was den Besucher dieses Museums für Industrielle Archäologie, Arbeit und Textil in Gent besonders beeindruckt, ist die Liebe zum Detail und die Tatsache, dass es den Verantwortlichen dieses Hauses gelungen ist, den Alltag der Menschen in allen Zeiten zu zeigen.

Vom Nachbau einer Arbeiterwohnung bis hin zu einem mit einem Bollerofen geheiztem Klassenzimmer über Wände voller historischer Waschmaschinen und Fernseher, ohne einen entsprechenden Kinosaal mit Szenenfotos und Filmplakaten zu vergessen ist alles dabei… und noch viel mehr.

Nicht zu vergessen ist auch der herrliche Panoramablick über das historische Stadtzentrum von Gent aus dem oberen Stockwerk des MIAT und ein kleiner Garten, der die alten Nutzpflanzen zeigt, die als Rohstoffe für die Baumwoll- und Textilindustrie genutzt wurden.

Dieses Museum ist in seiner Beschaffenheit zugleich historisch bedeutsam und zeitlos. Es spricht jeden an: Den industriegeschichtlich Interessierten ebenso, wie den Nostalgiker oder den Technikfreak. Es richtet sich an Fachleute, an Touristen und an Schulklassen - kurz an alle, denen die Geschichte der Arbeit und der Menschen naheliegt.

Info

Das MIAT ist nicht ganz einfach zu finden. Mehrere Tram- und Buslinien bringen die Besucher in die Nähe des Museums, doch ein kleiner Fußweg und die Suche, die durch ein verwinkeltes Arbeiterviertel und an die Leie führt, machen die Sache noch ein bisschen interessanter. Vielleicht kann das MIAT den einen oder anderen Neugierigen sogar noch mit einer Sonderausstellung überraschen. Die parterreliegenden Räumlichkeiten bieten viel Platz dazu.

MIAT, Museum für Industrielle Archäologie, Arbeit und Textil
Minnemeers 9
9000 Gent
Tel: 0032 (0) 9/ 296 42 00
www.miat.gent.be

Haltestellen in der Nähe:

Bahnhof Gent Dampoort, Tramlinie 1 (Gravensteen ), Tramlinie 4 (Coppinstraat oder Gent-Sluizeken), Buslinien 3, 17, 18, 38, 39 (Steendam), Buslinien 55, 57, 58 (Sint-Jacobs) und Buslinie 5 (Blekerijstraat).