Studie: Prostitution in Belgien setzt Millionen um

Nach einer Studie der Universität Löwen im Auftrag der Nationalbank generiert die Prostitution in Belgien jährlich Umsätze von bis zu 870 Mio. €. Da diese Einnahmen zumeist Schwarzgeld betreffen profitiert der belgische Staat auf steuerlicher Ebene kaum von diesem durchaus einträglichen Geschäft.

Die Wissenschaftler der Löwener Universität (KU Leuven) gingen in ihrer Studie zur Prostitution in Belgien regelrecht feldstabsmäßig vor und beobachteten monatelang zumeist versteckt das Verhalten von Freiern und Prostituierten in den so genannten „Rotlichtvierteln“ des Landes. Doch sie führten auch Gespräche mit den Frauen, um intensiver berichten zu können. Dies lief allerdings auch diskret ab, um die Frauen jeweils nicht in Gefahr zu bringen, denn nicht wenige von ihnen, vor allem osteuropäische Frauen, üben diese Arbeit nicht unbedingt freiwillig aus.

Inzwischen hat sich aber die Prostitution auch in Belgien stark verändert. Die beliebteste Form der Männerbesuche bei Huren läuft mittlerweile über das Internet oder über Escortanbieter. Dieser Bereich betrifft etwa 42 % aller Kontakte und macht durch die höheren Preise mehr als die Hälfte des Umsatzes aus. Rund ein Drittel aller Kontakte von Männern zu Prostituierten läuft über Puffstraßen oder einschlägige Rotlichtviertel und ein weiteres Viertel dieser Besuche betrifft Clubs oder Massagesalons. Die Straßenprostitution in unserem Land verliert an Bedeutung, wohl auch durch die harte Haltung von Städten und Polizei dagegen. Heute macht diese Form von Prostitution nur noch knapp ein Prozent der Kontakte aus.

Wirtschaft und Fiskus

Auffallend an der Universitätsstudie im Auftrag der belgischen Nationalbank ist auch, dass nur etwa 54 Mio. € der insgesamt hier umgesetzten 870 Mio. € auf Frauen aus dem Ausland fallen. Diese Prostituierten, zumeist Frauen aus osteuropäischen Ländern, halten sich laut der Studie in unserem Land nur jeweils einige Monate auf, um dann in ihre Heimatländer zurückzugehen oder in anderen westeuropäischen Ländern weiter auf den Strich zu gehen. Steuerlich hat Belgien nicht viel von diesem einträglichen Geschäft, denn hier geht es meist um Schwarzgeld. Nicht zuletzt ist Prostitution auch in Belgien formal verboten, wird aber geduldet. Der Wirtschaft unseres Landes an sich geht aber laut Analysten nichts verloren.

Der belgische Fiskus hat aber jetzt einen Weg gefunden, doch noch Einnahmen aus der Prostitution zu generieren: Inzwischen zahlen viele Freier in Bars oder Bordellen durchaus auch mit ihren Bank- oder Kreditkarten und dies wiederum bleibt den Augen der Steuerfahnder dann doch nicht verwehrt, wie die flämische Tageszeitung De Morgen dazu schreibt.

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