Anschlag Jüd. Museum: Dritter Verdächtiger in Haft

Im Zuge der Ermittlungen nach dem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel am 24. Mai 2014 sitzt bereits seit Anfang Juli ein dritter Verdächtiger in Untersuchungshaft, wie die belgische Bundesstaatsanwaltschaft jetzt bestätigt. Dabei handelt es sich um einen 28 Jahre alten Franzosen aus der Gegend von Marseille. Inzwischen versuchen die Ermittler einigen Ungereimtheiten auf den Grund zu gehen.

Bei dem 28 Jahre alten Untersuchungshäftling aus Marseille handelt es sich nicht um jene Person, die vier Tage nach dem Anschlag, bei dem vier Menschen ihr Leben verloren, gemeinsam mit dem Hauptverdächtigen Mehdi Nemmouche in Brüssel von Überwachungskameras gefilmt wurde. Welches seine tatsächliche Rolle bei dem Anschlag auf das jüdische Museum in Brüssel war, wird derzeit noch ermittelt.

Auf jeden Fall hat dieser dritte Verdächtige Kontakt zu Nemmouche gehabt, doch welcher Natur diese Kontakte waren, herrscht noch Undeutlichkeit. Noch nicht bekannt ist zudem, ob der Mann auch Kontakte mit einem zweiten Verdächtigen hatte, der ebenfalls bereits in einer Brüsseler Zelle in U-Haft sitzt.

Nach Angaben der Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel wurde dieser dritte Verdächtige auf Basis eines europäischen Haftbefehls am 1. Juli an die belgischen Justizbehörden überstellt. Der Betroffene steht im Verdacht, Täter, Mittäter oder Mitverantwortlicher des Anschlags auf das Jüdische Museum in Brüssel zu sein. Hier steht vierfacher Totschlag mit terroristischem Hintergrund im Raum.

Einige Fragen noch offen

Inzwischen bleibt die Person, die gemeinsam mit dem mutmaßlichen Haupttäter vier Tage nach dem Anschlag von einer Überwachungskamera in Brüssel aufgenommen wurde, weiter spurlos verschwunden. Diese dunkelhäutige und glatzköpfige Person wurde gemeinsam mit Nemmouche auf der Albert-II-Allee in der belgischen Hauptstadt aufgenommen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die beiden Männer am Stichtag der Aufnahmen zum Brüsseler Nordbahnhof gingen, um dort einen Fahrschein für die Busreise Nemmouches nach Marseille zu kaufen. Der Unbekannte trägt dabei offenbar jene Reisetasche, in denen sich die Waffen befanden, die der mutmaßliche Haupttäter bei seiner Verhaftung in einem Fernbus in Frankreich am 30. Mai 2014 mitführte.

Völlig im Dunkeln tappen die Ermittler in Zusammenhang mit einem Rollstuhl, der in der Brüsseler Wohnung Mehdi Nemmouches aufgefunden wurde. Nemmouche verweilte zwischen Ende März und Mai 2014 in dieser Wohnung in Brüssel. Fragen nach dem Besitzer des Rollstuhls, nach dessen eventuellem Verwendungszweck im Rahmen des Anschlags und woher er kommt, bleiben nach wie vor unbeantwortet.