Einsparungen: Arm, ein Leben lang!

Insgesamt bleibt die Zahl der Armen in Flandern stabil, aber es gibt immer mehr Menschen, die mehrere Jahre hintereinander und häufig sogar ein Leben lang nicht mehr aus der Armut herauskommen. Das geht aus dem neuen Armutsbarometer hervor, das von 15 Armutsorganisationen und Krankenkassen erstellt wurde. Ihnen zufolge seien es vor allem die Ärmsten, die von den Sparmaßnahmen der föderalen und der flämischen Regierung getroffen würden.
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Seit 2008 wird die Situation von Armen in verschiedenen Bereichen und mit Hilfe eines Barometers gemessen.

Das erfolgt durch 15 Organisationen, die neutrale, offizielle Statistiken benutzen. Das Ergebnis: Die Armut in Flandern sank seit 2008 von 11,4 auf 10,8% und erfuhr damit kaum eine Veränderung. Die Zahl derjeniger in Flandern, die schon seit drei Jahren arm sind, stieg hingegen von 5 auf 7 Prozent an. Und bei den flämischen Kindern nahm die Armut von 8 auf 11% zu.

"Es gibt eine gewisse Zahl Menschen, die sich in Armut befindet und arm bleibt", so Jos Geysels (kleines Foto) vom Forum für Zusammenarbeit beim Armutsbarometer. Diese Zahl steige. Ebenso steige die Kinderarmut weiter an.

Das wiederum macht sich beim Aufschub medizinischer Versorgung aus finanziellen Gründen bemerkbar.

Michel Debruyne von der christlichen Arbeiterbewegung betonte in der VRT hierzu: "Wir kommen von 4 Prozent der Armen, die diese Versorgung aufschob und heute erreichen wir 14 Prozent der Armen, die ihre medizinische Versorgung verschiebt, das heißt, die nicht zum Arzt oder Zahnarzt geht und auch kein Krankenhaus aufsucht."

Berechnet wurden auch die Auswirkungen der flämischen und föderalen Sparmaßnahmen. Nächstes Jahr muss eine alleinstehende Frau mit Kind, die von der Sozialhilfe lebt, mit 668 Euro weniger auskommen. Und eine Familie mit zwei Kindern verliert gut 900 Euro.

Vergleichbare Haushalte, in denen zwar gearbeitet wird, die jedoch die niedrigsten Mindestlöhne beziehen, verlieren zwar etwas weniger Geld, aber immerhin noch 422 beziehungsweise 713 Euro im Jahr.

"Sie müssen sich das einmal vorstellen. Sie haben nichts und dann müssen Sie auch noch etwas abgeben", so Jos Geysels noch. Wir bekämpfen nicht die Armut, sondern die Armen werden bestraft."