25 Jahre Deutsche Einheit: Ein europäisches Fest in Brüssel

Mehr als 30.000 Menschen hatten sich auf Facebook für "Sounds and Lights of Unity", ein aufwendiges Licht- und Klangspektakel zum Fest des 25. Jahrestages der deutschen Einheit im Brüsseler Jubelpark, angekündigt. Laut Veranstalter seien auch etwa 30.000 Zuschauer letztlich im Laufe des gestrigen Donnerstagabends dort gewesen. Und das ist eine große Anzahl für ein deutsches Fest in Brüssel.

Ein rein deutsches Fest war das natürlich nicht, denn die Überwindung der Teilung Europas in den Jahren 1989/90 war nicht nur eine Erfolgsgeschichte für Deutschland, sondern auch für den Einigungsprozess von Europa und die Erweiterung der Europäischen Union.

Das Fest sei deshalb auch an die vielen Europäer, die in Brüssel leben und arbeiten, gerichtet. Das betonte die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der EU. Die Vertretung hat das Fest in Brüssel organisiert. Finanzielle Unterstützung bekam sie von 15 Sponsoren, darunter großen deutschen Unternehmen und Institutionen vor Ort wie die Stadt Brüssel, das BOZAR (Paleis voor Schone Kunsten) und das Goetheinstitut.

Die Deutschen sind bekannt für ihr Organisationstalent, deshalb überraschte es kaum, dass DJ-Stars wie Rainer Kranich (Ibiza), Chris Zippel (Berlin), Rich Ears (Amsterdam), Ariora (Athen) und ED2000 (London) eine Musikkompilation speziell für diesen Abend auflegten.

Hauptattraktion war jedoch die künstlerische Videoprojektion über Schlüsselmomente der Wiedervereinigung Deutschlands und der europäischen Einigung - von einem geteilten Europa über die friedliche Revolution in Osteuropa bis hin zur deutschen Einheit und zum europäischen Integrationsprozess.

Die Gruppe aus Amsterdam "Vision Impossible" hatte das achtminütige Video entworfen, das zu jeder vollen Stunde bis Mitternacht wiederholt wurde. Dazu sorgte ein Licht- und Klangspiel von dem Berliner Lichtkünstler Matthias Zeckert und seinem Team "German Arts" für eine besondere Stimmung.

Und zu Beginn des Abends unterstrich der aus Deutschland stammende EP-Präsident, Martin Schulz (Foto), auch noch einmal die Wichtigkeit der 25 Jahre deutscher Einheit für Europa. "25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung und 11 Jahre, nachdem die Europäische Union um Länder in Zentral- und Osteuropa erweitert wurde, sollten wir glücklich sein, auf einem Kontinent der Freiheit, Demokratie und Solidarität leben zu dürfen", so Schulz.

Die deutschen Veranstalter wählten für ihre Videoprojektion den Triumphbogen im Brüsseler Jubelpark in unmittelbarer Nachbarschaft zum Europaviertel, denn der Bogen ähnelt nicht nur dem Brandenburger Tor in Berlin, sondern hat auch die nötige Statur, um so vielen Menschen wie möglich, die Bilder der Geschehnisse von damals und heute zeigen zu können.

"Der Anfang der Bilder ist allerdings hart", warnt Dr. Hardy Boeckle, Sprecher der Ständigen Vertretung. Es handelt sich um Bilder aus dem Jahr 1933, als Hitler an die Macht kam. Zu sehen war vor allem eine marschierende “Wehrmacht” in Großformat.

Ein deutsches Schulkind, das sich den Film vor dem Torbogen aufmerksam ansah, hatte jedenfalls keine Probleme mit den Anfangsbildern: “Die gehören dazu. Es ist ein Stück Geschichte und der Grund für die ganze Misere später.” Ihr deutscher Vater und ihre italienische Mutter pflichten ihr bei. Eine Polin, die daneben steht nickt ebenfalls zustimmend. Einige Deutsche im Publikum vermissen allerdings die deutsche Nationalymne im Video: "Ein bisserl' mehr Deutschland hätte man aber schon zeigen können!"

Ab dem heutigen Freitag und morgen, am 3. Oktober, dem offiziellen Tag der Deutschen Einheit, wird in Deutschland selbst, vor allem in Frankfurt, gefeiert. An diesem Tag wollte man das Video eigentlich auch noch einmal auf das Brandenburger Tor in Berlin projizieren, aber offenbar war das Brandenburger Tor schon vermietet – an Coca Cola, erfahren wir.