Brüssels Fußgängerzone schädlich für die Hotels?

Die Betreiber des traditionsreichen Hotel Métropole am Brüsseler Brouckèreplein drohen der Stadt Brüssel per einstweiliger Verfügung ein Zwangsgeld an, wenn diese nicht für eine permanente Zufahrt zum Hotel sorgt. Nach Ansicht des Fünfsternehotels vertreibt die Fußgängerzone seit ihrer Einführung potentielle Kunden.

Nach Meldungen der regionalen Brüsseler Nachrichtenwebseite brusselnieuwe.be und der flämischen Tageszeitung De Morgen behaupten die Betreiber des Fünfsternehotels Métropole am Brouckèreplein, dass sie seit der Ausweitung der Fußgängerzone einen „Aderlass“ erleiden, denn die freie Zufahrt der Kunden zu ihrem Hause sei nicht mehr gegeben. Ein Brüsseler Gericht droht per einstweiliger Verfügung mit einem Zwangsgeld von 500.000 €, wenn die Stadt eine solche permanente Zufahrt nicht ermöglicht.

Im Bereich dieser seit Ende Juni 2015 erweiterten Fußgängerzone gilt eine freie Zufahrt für Lieferanten, Anwohner und Anlieger zwischen 4 Uhr und 11 Uhr am Morgen und Taxis haben rund um die Uhr freie Fahrt in der autofreien Zone. Brüssels Bürgermeister Yvan Mayeur (PS) und die Hoteleigner streiten sich in dieser Frage schon länger, doch die Fronten scheinen verhärtet, wie das aktuelle Urteil unterstreicht.

Der Mittelstandsverband UNIZO ist in dieser Frage laut De Morgen überrascht von diesem Urteil und dieser einstweiligen Verfügung und stellt fest, dass der Stadt Brüssel nichts vorzuwerfen sei. Bei der Einrichtung der erweiterten Fußgängerzone handele es sich um eine politische Entscheidung und gegen eine solche Entscheidung könne man gerichtlich eigentlich nicht vorgehen, hieß es dazu bei UNIZO.

Gegen die Fußgängerzone in ihrer heutigen Form haben nicht wenige Geschäftsleute in Brüssel Bedenken. Einige von ihnen haben tatsächlich rückläufige Einnahmen. Dies allerdings liegt nicht an der Fußgängerzone an sich, wie man feststellen kann, sondern an der mangelnden Kommunikation der Stadt mit den Kunden, vor allem denen von außerhalb der Hauptstadt. Diese glauben nämlich, dass die Innenstadt gar nicht mit dem Auto zugänglich sei, was nicht der Fall ist. Doch das ist eigentlich schon eine ganz andere Geschichte.

Fakt ist, dass das Gastronomiegewerbe im vergangenen Sommer (und auch gerade jetzt in diesen Tagen eines „Indian Summer“) gute Geschäfte machten, denn die Terrassen sind z.B. immer voll. Und auch andere Hotels, die mitten in der autofreien Zone liegen, stellen keine Kundenrückgänge fest, außer das Hotel Métropole. Beobachter gehen davon aus, dass die Hotelbetreiber am Brouckèreplein einen Präzedenzfall schaffen wollen. Und Brüssel will alles daran setzen, es sich mit dem Traditionshaus Métropole nicht allzu sehr zu verschätzen.

Nicolas Maeterlinck