Großdemo: Zehntausende zogen durch Brüssel

Die drei großen Gewerkschaften in Belgien, die sozialistische ABVV, die christliche ACV und die liberale ACLBV, hatten für diesen Mittwoch zu einer nationalen Großdemo gegen die Sparpolitik der belgischen Mitte-Rechts-Regierung aufgerufen und rund 81.000 (nach Polizeiangaben) ihrer Mitglieder aus allen Bereichen des Landes kamen nach Brüssel.

Der Demonstrationszug startete gegen 11:30 am Brüsseler Nordbahnhof, um einer mit der Polizei abgesprochenen Route in Richtung Südbahnhof zu folgen. „Es ist unser Pflicht, hier zu sein!“, so der gemeinsame gewerkschaftliche Tenor. Nach Gewerkschaftsangaben nahmen rund 100.000 Menschen an der Demonstration teil.

Zu ernsten Zwischenfällen kam es bis in die Mittagsstunden hinein nicht und die Organisatoren sowie die Brüsseler Polizei gingen davon aus, dass sich die Krawalle vom letzten Jahr nicht wiederholen. Die Demonstration fand mehr oder weniger am ersten Jahrestag der Einsetzung der belgischen Mitte-Rechts-Regierung statt. Nach Ansicht der Gewerkschaftsfront gibt es dabei „nichts zu feiern!"

Die Demonstranten wehrten sich gegen das in ihren Augen „unverdauliche“ Koalitionsabkommen der Regierung Michel I., das den Arbeitnehmern und den Beziehern von Soziallleistungen auch ein Jahr danach noch nichts gebracht habe.

Die Gewerkschaften verlangten die Wiederherstellung der Kaufkraft, Programme zur effektiven Schaffung von neuen Arbeitsplätzen - auch für sozial schwache Gruppen und eine wirksame Verschiebung der Steuern und Belastungen weg von der Arbeit und hin zu den Vermögen und den Kapitaleinkommen.

Delegationen aus allen Bereichen in Belgien

Unter den Demonstranten waren u.a. Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe aus ganz Belgien, Hafenarbeiter, große Delegationen aus dem Pflegesektor, Beschäftigte aus der Industrie, dem Bildungswesen und auch eine Delegation aus unserem Hause, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, VRT, die auch auf diesem Wege gegen die Sparvorgaben der flämischen Landesregierung protestierten, die unseren Sender betreffen.

Mit Wasserwerfern gegen Krawallmacher

Eigentlich hatten die Gewerkschaften ihre Mitglieder dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren, um nicht wieder die gleichen Bilder entstehen zu lassen, wie bei den Krawallen vor knapp einem Jahr bei der Demo zum gleichen Anlass.

Doch am Ende der Demonstration in der Nähe des Brüsseler Südbahnhofes kam es doch wieder zu kleineren Zwischenfällen. Dutzende zum Teil maskierte Demonstranten versuchten die Polizei mit Krachern und Beleidigungen zu provozieren. Unklar war, ob diese Krawallmacher aus den Reihen der Gewerkschaften kamen. Die Polizei trieb die Provokateure mit Wasserwerfern auseinander.