Haushaltseinigung: Was bedeutet das für Sie?

Die Regierung hat das Haushaltsloch stopfen können und die geplante Tax-Shift, das heißt eine Steuerverschiebung, konkret gemacht. Wer brutto weniger als 2.800 Euro verdient, wird 2019 netto mindestens 100 Euro pro Monat mehr auf seinem Lohnzettel haben. Das hat die Regierung berechnet. Auch kleine und mittlere Unternehmen und Selbständige werden weniger Steuern zahlen müssen. Diese Steuerverschiebung wird mit einer Erhöhung der Akzisen auf Diesel-, Tabak-, Alkohol- und Erfrischungsgetränken finanziert, aber auch mit einer Erhöhung der Quellensteuer auf Kapitalerträge und der Einführung einer Spekulationssteuer.
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"Die Unternehmenssteuern sinken, die Kaufkraft von Arbeitnehmern steigt und die Wettbewerbsfähikeit unserer Wirtschaft nimmt zu", fasste Premier Charles Michel die Tax-Shift nach einer Nacht der Verhandlungen am Samstag zusammen.

Konkret sollten Personen mit den niedrigsten Löhnen (weniger als 1.500 Euro brutto) 2019 wenigstens 140 Euro netto pro Monat mehr in der Tasche haben. Für Löhne bis 2.800 Euro brutto macht das 102 Euro, für Löhne bis 3.300 Euro 91 Euro und für Löhne bis 4.500 Euro immerhin noch 78 Euro. Diese genauen Beträge müssen auch noch für die Jahre davor berechnet werden.

Damit auch die Wettbewerbsfähigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen angeregt werden, können die Unternehmen mit einer Senkung der Arbeitgeberbeiträge von 33 auf 25 Prozent rechnen. Unternehmen mit maximal sechs Personen profitieren bei der ersten Einstellung von einer Freistellung der Sozialkosten. Die Vergünstigungen für die ersten fünf Arbeitnehmer werden auf den sechsten ausgeweitet. Sogar Freiberufler dürfen mit einer Senkung der Sozialbeiträge von 22 auf 20,5 Prozent auf ihre erste Einkommensstufe rechnen.

Ungesunde Produkte werden teurer

Das Geld, das Sie monatlich mehr in der Tasche haben werden, werden Sie vielleicht jedoch für andere Dinge nötig haben, denn die Steuern auf Produkte, von denen der belgische Staat überzeugt ist, dass sie ungesund für uns sind, werden erhöht. 

*So wird ein Liter Diesel in den nächsten zwei Jahren jeweils um 4 Cent und 2018 noch einmal um 6 Cent teurer. Allerdings wird ein Liter Benzin in den nächsten drei Jahren jeweils um 2,6 Cent billiger.

*Ein Päckchen Tabak zum Selbstdrehen wird 2018 genau 2,88 Euro teurer sein. Die Akzisen auf ein gewöhnliches Päckchen Zigaretten werden um 0,32 Euro angehoben.

*Auch eine Flasche hochprozentiger Alkohol wird teurer und zwar um 2,52 Euro. Eine Flasche Wein wird 0,195 Euro und ein Bier 0,01 Euro mehr kosten. 

*Ab nächstem Jahr wird auch eine Steuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke eingeführt: 3 Cent auf eine 1 Liter-Flasche und 1 Cent auf Dosen von 33 Zentiliter.

Vermögen

Außerdem soll Vermögen höher besteuert werden und dies über eine Erhöhung der Quellensteuer von 25 auf 27 Prozent auf Zinsen aus Obligationen und Dividenden.

Daneben wird eine Spekulationssteuer von 33 Prozent auf den Verkauf von Börsenaktien innerhalb von sechs Monaten nach Ankauf der Aktie eingeführt. Allerdings ist dies auf die Steuer der natürlichen Personen begrenzt.

Und auch die angekündigte Cayman-Steuer ist Teil der Tax-Shift. "Diese neue Steuer sorgt dafür, dass Gesellschaften, die in Steuerparadiesen gegründet werden, in Zukunft transparent behandelt werden", heißt es auf der Webseite des Finanzministers Johan Van Overtveldt hierzu.